Im Interview: karamelo

Getrocknete Blätter, schief gewachsene Äste und abgeschliffene Steine. Das ist es, was Kathrin von karamelo aus Köln inspiriert. Die gelernte Fotografin stellt fragil anmutende Stempel, Karten und Kunstdrucke her. “Ich bin zwar keine passionierte Spaziergängerin, sammle aber alles, was mir an Ästen, Zweigen, Blüten oder Steinen unter die Nase kommt”. In ihren Designs spiegelt sich eine abstrakte Form der Flora und Fauna wieder – minimalistisch und vollkommen zugleich. Recycling-Papier, ökologisches Stempelgummi und säurefreie Stempelkissen sind für Kathrin dabei eine Selbstverständlichkeit. Sie versteht ihr Handwerk und die Kunst, natürlichen Formen mit Farbe und Moosgummi Leben einzuhauchen. Aber seht selbst und staunt!

Bitte stell Dich kurz vor:
Ich bin Kathrin, 33 Jahre alt, und lebe, wohne und arbeite in Köln. Zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Das Haustier fehlt noch, die Kinder arbeiten aber daran. Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf am Rande der Eifel, im beschaulichen Ahrtal. Nach einem fünfjährigen westfälischen Intermezzo zwecks fotografischen Studien habe ich mir den Mann von dort mitgebracht und bin wieder zurück ins Rheinland gezogen.  Seit Ende 2009 betreibe ich eine kleine Stempelmanufaktur namens karamelo. Ziemlich schnell habe ich dann die ersten Designmärkte mitgemacht und meine Stempel dort verkauft. Peu à peu wächst das Sortiment und ich verbringe (fast) jede freie Minute damit,  mir Neues auszudenken, zu verändern und zu verbessern.

Wie hast Du Deine kreative Ader entdeckt?
Ich gehöre nicht zu denen, die schon in frühster Jugend mit Stoffen, Farben oder Modelliermassen zu tun hatte oder unter der Nähmaschine der Mutter großgeworden ist.  Eigentlich habe ich, nach einer langen, intensiven Arbeitsphase am Rechner, aus einer Laune heraus angefangen Stempel zu machen. Ich hatte den Drang mich kreativ und vor allem analog auszutoben und twas mit den Händen zu erschaffen. Das Stempeln ist ein wunderbarer, kreativer Prozess. Eine schnelle, intensive Tätigkeit, die sowohl eine gewisse Präzision, als auch Mut zum schöpferischen Chaos erfordert. Selbst mit dem langweiligsten Motiv kann man tolle Ergebnisse zaubern. Und das in kurzer Zeit. Perfekt – für eine ungeduldige Person wie mich.

Was zeichnet Deinen Stil aus?
Eine Mischung aus natürlichen, floralen und geometrischen Elementen. Schlicht. Die Linien alle ein bisschen schief. Konkrete Vorbilder habe ich nicht. Allerdings beschäftige ich mich viel mit zeitgenössischer Kunst und finde hier, gerade im Bereich der abstrakten Zeichnung, Inspiration.

Woher beziehst Du Deine Inspiration?
Hauptsächlich aus der Natur. Ich bin fasziniert von unregelmäßig wachsenden Ästen, von abgeschliffenen Steinen oder getrockneten Blütenständen. Ich habe sogar eine Blumenpresse, die häufiger zum Einsatz kommt, um meine Fundstücke zu konservieren. Diese natürlichen Formen, die eigentlich so unregelmässig sind, beherbergen eine ganz simple Schönheit. Das fasziniert mich jedes Mal wieder auf’s Neue!

Beschreibe bitte kurz Deinen kreativen Arbeitsprozess:
Zuerst sammel ich alles: in Notizbüchern, in Kartons, an der Wand hinter meinem Schreibtisch. Auch die Kritzeleien auf meinen To-Do-Listen werden ausgeschnitten & aufgehoben. Digitales landet im »Inspiration Now«-Ordner. Die Hot-Five wechseln und wenn sie lange genug inspiriert haben, verwende ich sie als Grundlage für ein neues Produkt. Das kann manchmal ganz schnell gehen, andere Dinge brauchen eine Weile.

Wie bewahrst Du Dir ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit?
Das Schöne ist: Mein kleines Label ist beides zugleich! Zumindest der kreative Part daran. Ausserdem habe ich zwei Kinder, die sehen ihre Mutter lieber auf dem Fußboden zwischen Playmobil-Männchen und Kaufmannsladen als hinter dem Schreibtisch.

Was hat sich für Dich verändert, seit Du Deinen DaWanda-Shop eröffnet hast?
Ich arbeite viel konstanter und nicht nur temporär vor den Märkten. Ich verbringe insgesamt viel, viel mehr Zeit mit dem Label und meinen Produkten. Was ganz wunderbar ist, denn das ist es, was mir am meisten Spaß macht!

Nenne bitte Deine drei Lieblingsshops auf DaWanda:   

  • rosa.rosenbaum: Weil sie so tolle Aufkleber, Masking Tape & schicke Stempel im Sortiment hat!
  • keep me in mind: Weil ich dort ein tolles Möbel für unser Bad gefunden und gekauft habe, nach dem wir schon ewig gesucht hatten. Ich freue mich jeden Tag darüber!
  • vaersgo: Wegen dem geometrischen Schminktäschen, das mich seit einigen Wochen überall hin begleitet!

Nenne uns Deine liebsten Orte im Netz:
Bloglovin’, weil es mir eine lange, lange Liste an Blogs so schön sortiert und mir zeigt, was es wo Neues zu lesen gibt. Besonders gerne lese und schaue ich Foodblogs und Wohnblogs an. Damit für den Nachschub an kulinarischen Köstlichkeiten, neuen Rezepten und häuslicher Inspiration gesorgt ist.

Wie siehst Du Deine Zukunft als Designerin?
Ich möchte noch mehr Zeit in meine Arbeit stecken. Das Kleine etwas größer werden lassen.

Was würdest Du DaWanda-Neulingen raten?
Ruhe bewahren, besonders bei den vielen kleinen Dingen, die es vor allem auch rechtlich zu beachten gilt. Netzwerken! Einfach mal Fragen stellen! Und apropos: Sich nicht an Fragen wie »Und damit willst Du Geld verdienen?«  oder »Wer kauft denn sowas?« stören, lieber konstruktiv für sich selbst beantworten.

Dein Schlusswort?
Die Botschaft, die eben an meinem Teebeutel hing: Erkenne Dich selbst und sei wer Du bist! Immer wieder schön!

P.S.: Wenn Ihr auch im Montagsinterview vorgestellt werden möchtet, sendet bitte Euren ausführlich ausgefüllten Fragebogen an Anna unter interview@dawanda.com. PS. Fotos im Querformat nicht vergessen!

 

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Beitrag von Christina Pöpke

geschrieben am 20.02.2012 um 10:12 Uhr.

Kategorie: Interviews

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4 Kommentare

  1. Meike (22.02.12 09:05 Uhr)

    Finde ich soooo schön, die feinen Sachen!
    Auch die Farbzusammenstellungen sind super gewählt, Kompliment!

    Ahoi,
    Meike

  2. Weißherz (22.02.12 10:43 Uhr)

    Schönes, unaufgeregtes Interview. Schön auch, dass es auch Menschen zu geben scheint, die nicht von frühester Kindheit an kreativ waren, und die jetzt trotzdem erfolgreich sind und tolle Sachen machen.

  3. noz! (23.02.12 10:44 Uhr)

    Vieln Dank an euch für dieses Schmankerl. Es ist immer wieder schön, so natürliche Menschen kennen zu lernen, ihnen ein klitzekleines Bisschen über die Schulter zu schauen und feststellen zu dürfen, dass es so viele unheimlich inspirierende Menschen gibt.
    Kathrin, vielen Dank für deine herzlichen Worte!

  4. Julia (23.02.12 11:41 Uhr)

    echt klasse beitrag!
    ich intressiere mich auch schon seid längerem für die Stempel herstellung, nur ist es doch sehr sehr schwer welche selbst herzustellen.
    trotzdem vielen dank für den Beitrag!
    :) mach weiter so!

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