Im Interview: seasprayblue

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Kühl und klar sind die Illustrationen von Katrin alias seasprayblue. Die gelernte Bauingenieurin aus Dresden fertigt mit Fineliner und Acrylfarbe wunderbare eigene kleine Welten auf  Papier. Gespickt mit kurzen Botschaften erinnern uns die Illustrationen  von Menschen, Bäumen und Vögeln an kalte Winter in Skandinavien. Kein Wunder, schließlich ist Katrin in der kältesten Region Deutschlands geboren. Im Interview hat sie uns erzählt, wie sie ihre kreative Ader einem Baum sei Dank entdeckt hat und was sie sich für die Zukunft wünscht. Wir wünschen Euch viel Freude beim Lesen!

Bitte stell Dich kurz vor:
Meine Name ist Katrin Schwulst. 1977 wurde ich in einer vogtländischen Provinzstadt geboren. Als ich 11 war, zog meine Familie in ein 250-Seelen-Dorf mitten in Deutschlands größtem zusammenhängenden Waldgebiet. Manchmal frage ich mich, ob meine Faszination für Skandinavien, Kälte und abgelegen Orte daher kommt, dass ich mitten im Winter und genau in dieser Gegend – der kältesten Region Deutschlands – geboren wurde.
Meine beiden größten Leidenschaften sind Eisessen und Illustrieren. Allerdings ist letztere nicht annähernd so alt wie die des Eisessens. Im August wird sie aber schon vier Jahre alt. Als ich anfing zu malen, malte ich fast jeden Tag ein neues Bild. Auch heute noch kommen mir ständig neue Ideen in den Sinn und ich wünschte mein Tag hätte zwei Stunden mehr als ein Tag anderer Leute. Außer dem Eisessen und Illustrieren gibt es da ja noch andere Sachen, die mir sehr am Herzen liegen: Freunde, Radfahren, Spaziergänge, Lesen (wann hab ich das zuletzt gemacht?) und natürlich meine kleine Familie.

Wie hast Du Deine kreative Ader entdeckt?

Es gab da einen sonderbaren Moment im Kindergarten. Alle Kinder sollten Bäume malen. Und so versuchte ich es mit einer Birke, weil man den Stamm so schön schwarz bepunkten kann. Als ich bei den Ästen ankam rutschte mir allerdings der Pinsel aus der Hand. Als dann alle Bilder an der Wand hingen, war meine Erzieherin sehr entzückt über mein Bild und zeigte allen anderen, wie toll ich die Äste verzweigen lassen hatte. Und so merkte ich wohl, dass man sich beim Malen ruhig mal was trauen sollte.
In der Schule kam der Kunstunterricht, neben Mathe mein Lieblingsfach. Den ersten intensiveren Einstieg hatte ich, nachdem ich die alte Spiegelreflexkamera meiner Eltern auf dem Dachboden gefunden hatte. Mein Kinderzimmer wurde an den Wochenenden zum Fotolabor umfunktioniert. Anfangs waren alle Fotos noch sehr grau in grau aber nach einer Weile hatte ich es raus. Ich kaufte mir eine neue Spiegelreflexkamera, die zu meinem ständigen Begleiter wurde. So oft es ging fotografierte ich meine Stadt, meine Freunde und natürlich gibt es auch massenhaft schiefe Selbstporträts. Natürlich wurden mir auch die Grenzen des Machbaren in der Fotografie schon sehr bewusst und ich begann über das Malen nachzudenken. Aber dabei blieb es auch für’s erste…

Woher beziehst Du Deine Inspiration?
Meistens aus den Momenten, in denen ich den Kopf mal frei habe: Auf Spaziergängen und beim Musik hören bin ich in der Lage, die kleinen Dinge am Rand wahrzunehmen und mir anschließend eine kleine Geschichte drum herum zu spinnen.
Aber auch das Gegenteil verhilft mir manchmal zu neuen Bildern. Wenn ich nach einem anstrengenden Tag spät ins Bett falle und die Augen schließe, erscheinen oft Bildfragmente für einen Moment vor mein geistiges Auge, verschwinden und machen Platz für die nächsten. Einmal bin ich sogar noch mal aufgestanden und hab angefangen zu malen, daraus ist dann eins meiner Lieblingsbilder entstanden: „coming home“. Wenn ich wie meistens ohne Aufstehen einschlafe, behalte ich mir zumindest die beeindruckendsten Bilder im Gedächtnis bis ich wieder aufwache.

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Hast Du Vorbilder im Bereich Design?
Ganz allgemein mag ich das kühle klare Skandinavische Design, stilgemixt mit ein paar schönen Vintage-Objekten, damits gemütlich wird. In der Kunstszene kenne ich mich zu wenig aus – aber dafür sind mir einige bemerkenswerte und einzigartige Verkäufer von handgemachten Sachen aufgefallen: Sandra Juto, Danna Ray… Aber eigentlich faszinieren mich alle, die sich hinsetzen und ihre eigenen Ideen umsetzen. Ein gewisses Potential hat doch jeder, aber nur wenige setzen sich hin.

Mit welchen Materialien arbeitest Du bei der Herstellung Deiner Produkte?
Zur Herstellung der Illustration brauche ich Fineliner, Skizzenpapier, Scanner und Computer. Zur Herstellung der Drucke nehme ich den Computer, meinen Epson-Drucker, Original Epson-Tinte und dickes lichtbeständiges mattes Epson-Papier.

Beschreibe bitte kurz Deinen kreativen Arbeitsprozess:
Zuerst mit Bleistift, Fineliner, Radiergummi und einem Skizzenblock. Danach scanne ich die fertige Skizze ein und es erfolgt die digitale Bearbeitung im Computer und das Bild wird bunt. Manchmal nehme ich auch Pinsel und male meine Ideen direkt mit Acrylfarbe aufs Papier.

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?
Meine Bilder wurden mal so beschrieben: “But when I … see Katrin’s work I can make the world wait & just take time to experience the fundamental things that make life a joy! Art filled with thought & meaning and wrapped up with laughter.” Ich freue mich über solche wundervollen Worte. Ja, ich versuche jedes Mal eine kleine Botschaft hineinzulegen, die die Menschen zum Nachdenken, Lachen, Lächeln und Träumen bringt.
Im Englischen gibt es ein Wort, das beschreibt meine Illustrationen sehr gut: Whimsical!

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Welche Rolle spielt DaWanda für Deine kreative Tätigkeit?

Eine sehr große Rolle: DaWanda ist für mich das Netzwerk, aus dem ich Inspiration, Motivation und natürlich auch neue Kunden beziehe.

Was hat sich für Dich verändert, seit Du Deinen DaWanda-Shop eröffnet hast?

Ich bekam dadurch die Gelegenheit meine Bilder an die Frau und den Mann zu bringen und renne deshalb fast jeden Tag zum Briefkasten. Das große Interesse, das folgte, war und ist eine riesige Motivation für mich.

Was rätst Du Designern, die neu auf DaWanda sind?
Ohne dass ich jetzt gleich wie ein Motivations-Coach klingen möchte, aber ich glaube daran, dass in jedem ein Potential für eine bestimmte Sache steckt. Deswegen: Finde zuerst raus was es ist! Wenn Du es weißt: Mach’s! Hab Geduld, wenn der Erfolg auf sich warten lässt oder es eine Durststrecke geben sollte. Dann lass Dich nicht entmutigen, sondern schau zurück auf das, was Du schon erreicht hast. Sei kritisch und probiere Neues aus.

Nenne bitte Deine drei Lieblingsshops auf DaWanda:
Wunderholz
margamarina
deuteng


Wie siehst Du Deine Zukunft als Designerin?

Ich bin überwältigt von den vielen Möglichkeiten kreativ zu sein und wünschte, mein Tag hätte zwei Stunden mehr als der von allen anderen. Ich möchte Stoffe gestalten, Applikationen und natürlich viele viele Bilder malen. Artworks für CDs waren jedes Mal eine tolle Heraus-forderung, durch die ich meine Liebe zur Musik und fürs Malen verknüpfen konnte. Eine gute Idee und die Illustration eines Kinderbuches sind auch noch ein Traum. Man wird doch noch mal träumen dürfen…
Allerdings würde ich nicht so weit gehen und sagen, ich hänge meinen Dayjob als Bauingenieurin an den Nagel und widme mich ausschließlich der Kunst. Dafür möchte ich viel zu sehr, dass noch ein paar Windenergie – und Solaranlagen aufgestellt werden.

Dein Schlusswort:
Oh! So was liegt mir nicht. Da verweise ich lieber auf die wunderschönen Worte in Joseph Beuys’ „How to be an artist – Jeder Mensch ist ein Künstler“. Wer meine Bilder mag, dem wird das sicher gefallen. Einfach mal googeln. Meine Favoriten darunter sind:

Mache kleine Zeichen, die “Ja” sagen und verteile sie überall in deinem Haus
Schaukel so hoch Du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht
Kichere mit Kindern
Umarme Bäume

P.S.: Wenn Du auch im Montagsinterview vorgestellt werden möchtest, sende bitte Deinen ausgefüllten Fragebogen an [email protected].

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Beitrag von Anna

geschrieben am 21.02.2011 um 12:05 Uhr.

Kategorie: Interviews

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Über Anna

Anna ist Social-Media-Expertin, DIY-Fräulein und absolut Hundeverrückt. » Mehr von Anna

3 Kommentare

  1. kim | notcrazy (21.02.11 14:10 Uhr)

    ich habe schon seit zwei jahren zwei wunderschöne bilder von katrin und liebe sie wie am ersten tag. http://flickr.com/gp/puttytat/Pedpaa danke für das interessante interview – es ist immer toll, mehr über die gesichter und geschichten hinter den shops zu erfahren :)

  2. regentoastbrot. (21.02.11 14:33 Uhr)

    oh wie toll!
    ich hab auch ein bild von seesprayblue zuhause hängen und liebäugle momentan mit einem weiteren – wenn ich mich bloß entscheiden könnte! ^^

    danke für das tolle interview : )

  3. Und heute: Kunst | Butterflyfish (01.04.11 08:48 Uhr)

    […] Katrin Schwulst aus Dresden. Wer mehr über Katrin wissen möchte, dem rate ich zum Lesen dieses Interviews aus dem Dawandablog. Und wer mehr von ihren Werken sehen möchte, der sollte sich einfach mal auf dem Dawandashop […]

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