Im Interview: Diana von Leon+Coco

Diana von León+Coco lebt in Liverpool, hat zwei Kinder (nach denen sie auch ihr Label benannt hat) und fertigt wunderschöne Produkte für Kinder wie Anstecker, Taschen, Kleider, Postkarten und Kunst an. Ihre Produkte entstehen entweder tagsüber in ihrem kleinen Studio oder zuhause während sie darauf wartet, daß ihre bessere Hälfte von der Nachtschicht kommt.

Bitte stell Dich kurz vor:
Ich bin eine gebürtige Berlinerin, aber in Kuba aufgewachsen und im Alter von neun wieder nach Berlin zurückgekehrt. Nachdem ich mich an Sprache, Klima und Kultur gewöhnt hatte, bin ich zum Studieren nach Nürnberg gezogen, wo wieder alles neu und anders war. Nach meinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg folgte ich meinem Freund nach England, wo ich meine Pläne in einem schicken Architekturbüro in London zu arbeiten erst einmal auf Eis legen musste, in Erwartung meines ersten Kindes. Mit seiner Ankunft begann auch mein Interesse an Kinderprodukten.

Wie hast Du Deine kreative Ader entdeckt und wer inspiriert Dich?
Meine kreative Ader war mein treuer Begleiter seit ich ein kleines Kind war. Ich habe mich schon immer für Literatur und Theater interessiert und Geschichten und Gedichte geschrieben. In der Grundschule begann ich mich mit Hilfe ausgezeichneter Kunstlehrer für die Bildenden Künste zu interessieren . Dazu gesellten sich mit der Zeit mehr angewandte Bereiche und mit jeder neu erlernten Technik eröffnet sich mir eine neue Welt. Meine Vorbilder sind Ray und Charles Eames. Ihre Wissbegier, Interesse und Offenheit für alles, was sie umgab, sind eine Inspiration, sowie Ihre Vorliebe für Kooperationen und interdisziplinäres Arbeiten.

Wie kommst Du auf die Idee für neue Produkte und mit welchen Materialien arbeitest Du vornehmlich und warum?
Meine Ideen werden aus den kleinsten Kleinigkeiten geboren: Ein Besuch im Zoo oder Museum, etwas, worüber sich die Kinder beklagen, wie zum Beispiel meine Taschen mit integrierten Stiften. Coco suchte verzweifelt ihre Federtasche und als ich sie fragte, ob sie schon in ihrer Tasche geschaut hätte und sie mir entrüstet antwortete, da hätte sie schon zwei Mal reingeschaut, klickte es einfach in meinem Kopf und ich fragte mich: „Wieso sind die nicht einfach integriert?“ Eines unserer beliebtesten Motive ist ein Rotkehlchendruck, der entstand nachdem wir auf einer Reise in Wales ein Ständchen von einem Rotkehlchen gesungen bekamen. Das Rotkehlchen ist inzwischen auf Geschenkpapier, Klebeband, Ansteckern, wir kriegen nicht genug! Ich liebe es mit Stoff zu arbeiten, weil es immer reversibel ist, man kann korrigieren bis alles passt. Aber Linolschnitte machen bleibt mein Favorit, die Vorarbeit und das Aufräumen sind manchmal richtig nervig, aber wenn der erste Druck gemacht ist und alles ist gut gegangen: Das Grinsen auf meinem Gesicht in dem Augenblick ist schlecht zu schlagen!

Beschreibe kurz Deinen kreativen Arbeitsprozess:
Meistens, wenn mich eine Idee nicht loslässt, schreibe ich sie erst einmal mit Hauptmerkmalen auf, grober Skizze, etc. Wenn es um etwas Textiles geht, probiere ich manchmal erst einmal rum, ob es zu etwas führt und arbeite mich so an das Endprodukt heran. Bei Linolschnitten mache ich meistens Skizzen oder Collagen bis mein Motiv passt, mache den Linolschnitt und manchmal kommt ein guter Druck raus, manchmal klappt es gar nicht und ich muss noch einmal von vorn anfangen.

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben und was kennzeichnet ihn?
Meine Produkte sind schlicht aber trotzdem verspielt. Ich achte darauf, daß sie nicht zu bunt oder überladen werden und lege großen Wert auf markante Stoffe. Außerdem ist mir wichtig, daß sie trotz Verspieltheit praktisch und nützlich sind.

Wer sind Deine Kunden und was ist Dein Verkaufsschlager?
Meine Kunden sind hauptsächlich Eltern und Großeltern, manchmal aber auch einfach Leute die für sich selbst kaufen und meinen unkomplizierten fröhlichen Stil mögen.
Der Verkaufschlager sind meine Rotkehlchenprodukte (Geschenkpapier und Klebeband), sowie Tieranstecker und auch Rucksäcke.

Wie siehst Du Deine Zukunft als DesignerIn?
Mein Ziel ist noch mehr Produkte zu kreieren, die fern von Kitsch und Wegwerfgesellschaft kleinen und großen Menschen Freude bereiten. Mein Skizzenbuch hat noch viele unrealisierte Projekte, die aus finanziellen oder Zeitgründen noch ein bißchen ruhen müssen. Die müssen alle noch laufen lernen, sie sind schließlich wie Babies, die darauf warten, die Welt zu entdecken.

Wie wichtig ist Dir das Netzwerken mit anderen Kreativen?
In meinem Umkreis gibt es viele andere Leute, mit denen ich mich austauschen kann. Leute die stricken, nähen und drucken, Künstler, Illustratoren u.v.m. Ich liebe es, Ideen auszutauschen und mit anderen zusammen zu arbeiten. Vor kurzem habe ich an einem Satz Schals und Handwärmern mit einer talentierten Designerin gearbeitet (siehe Link oben). Meine Zusammenarbeit mit einer Fotografin hat mir kürzlich vor Augen geführt, dass es manchmal besser ist, einen Schritt zurückzutreten und einen Profi heranzulassen. Die Bilder haben meine Produkte erst richtig zum Leben erweckt und das werde ich auf jeden Fall sobald wie möglich wiederholen.

Welche Rolle spielt DaWanda für Deine kreative Tätigkeit und was hat sich für Dich verändert, seit dem Du Deinen DaWanda-Shop eröffnet hast?
DaWanda ist ein integraler Teil meiner täglichen Arbeit und hat mich wieder mit dem Rest Europas verknüpft. Ich mußte mich erst einmal daran gewöhnen wieder auf Deutsch zu schreiben, was mir am Anfang wirklich schwer gefallen ist, inzwischen muss ich auch mein rostiges Französisch und Spanisch aufpolieren. Die Kunden in Kontinentaleuropa sind komplett anders und haben andere Interessen, da muss ich auf dem Laufenden bleiben und raus kriegen, wofür meine Kunden ein Herz haben und wofür nicht.

Was würdest Du DaWanda-Neulingen raten?
Als erstes: Nicht zu lange nachdenken und springen und dann: Dranbleiben und an der Seite arbeiten, interessante Produkte kreieren und wenn es nicht klappt, auch mal um Hilfe bitten und fragen.
Manchmal hilft es auch zu schauen, was die, die Erfolg haben, richtig machen. Ich habe die Lösung noch nicht gefunden, aber ich werde noch nicht aufhören, sie zu suchen…

Nenne bitte Deine drei Lieblingsshops auf DaWanda und verrate uns warum Du sie so magst:

  • Regina-Lustig: Ich liebe, was Regina mit Müll macht. Meine Kinder sind begeistert, daß man aus einer alten Flasche eine Spinne machen kann. Prima, muss man kein Spielzeug kaufen..
  • swedful: Da ich ständig an IKEA sachen „herumänder´“ und es nie 100% im Laden so ist, wie ich es gern hätte, finde ich diesen Laden unschlagbar. Ich habe mir schon eine Erweiterung für mein Studio besogt und habe es nie bereut
  • Tutticonfetti: Sagenhafte Illustrationen, einfach schön.

Dein Schlusswort
Mein letztes Jahr war sehr ereignis- und lehrreich. Ich würde jedem, der seine eigenen Produkte macht, empehlen, es zu versuchen. Es ist der perfekte Ort, um rauszufinden, ob unsere Produkte Interessenten finden können, welche Produkte am Zahn der Zeit sind und welche nicht und verknüpft uns mit Leuten, die zu schätzen wissen, was wir machen und die etwas Besonderes „nicht von der Stange“ wollen.

P.S.: Wenn Ihr auch im Montagsinterview vorgestellt werden möchtet, sendet bitte Euren ausführlich ausgefüllten Fragebogen an Anna unter interview@dawanda.com. Fotos im Querformat nicht vergessen!


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Beitrag von Franziska Muennich

geschrieben am 07.01.2013 um 10:00 Uhr.

Kategorie: Interviews

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2 Kommentare

  1. Martina (07.01.13 11:51 Uhr)

    was für ein schönes interview ich mag deine sachen so gerne! noch viel viel erfolg!!!
    liebe grüße
    martina.

  2. Milena (07.01.13 22:01 Uhr)

    Sehr sympathisch und schöne Sachen macht sie natürlich auch! Liebe Grüße Milena von Milimari

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