Wer beim Wort Filz nur an wärmende Hausschuhe denkt, der sollte unbedingt weiterlesen. Denn im heutigen Interview stellen wir Euch Saskia vom DaWanda-Shop Filzbot vor. In Ihrem Shop findet man Woll- und Bastelfilzplatten, aus denen man tolle Taschen, Stofftiere, Wohndeko und noch viel mehr nähen kann. Denn Filz ist nicht nur zum Filzen gut, sondern man kann aus fertigen Filzplatten ganz einfach wunderbare Sachen nähen, besticken usw. – tolle Ideen für Filz-Näh-Projekte findet Ihr bei Filzbot auch als E-Book oder in einem Bastelkalender. Wie Filzbot entstand, warum Saskia Filz als Material mag und was man damit noch so machen kann, erfahrt Ihr hier im Interview.
Wie bist Du auf die Idee gekommen, einen Shop für Filz und Filzanleitungen einzurichten?
Vor ein paar Jahren war ich im Urlaub in New York und habe mich in einer Buchhandlung mit ganz vielen tollen Bastelbüchern eingedeckt, unter anderem auch mit dem Buch “Softies” von Therese Laskey. Als ich schließlich zu Hause ein paar der Softies nachnähen wollte, stellte ich allerdings fest, dass schöner Bastelfilz ziemlich schwer aufzutreiben war. Meistens waren die Farben einfallslos und der Filz erinnerte von der Haptik mehr an Plastik als an Wolle. Also habe ich erst einmal keine kuscheligen Bäume und Muffins aus Filz genäht. Als dann etwas später die Zeitschrift, für die ich zu dem Zeitpunkt gearbeitet habe, eingestellt wurde, habe ich mich zum ersten Mal damit auseinandergesetzt, selbstständig zu arbeiten. Da fielen mir dann wieder die Softies ein und ich habe mich gefragt, ob ich das auch könnte… Im DaWanda-Seminar bei Annesvea habe ich dann festgestellt, dass ich sehr wohl gerne mal einen Ausflug in die Craftingszene wagen würde und dass ich verrückt genug bin, um das auch zu tun (allerdings nicht ganz so verrückt wie Anne!). Um das Unternehmen „DaWanda-Selbstständigkeit“ zu testen, habe ich erst einmal Filzhändler und -hersteller ausgemacht, unter anderem auch einen, der mich mit wunderbar weichem Bastelfilz in 70 tollen Farben versorgt, und deren Filz online angeboten. Da gab es ziemlich schnell interessierte Kundschaft und so habe ich mir parallel dazu die ersten Anleitungen ausgedacht und kurz darauf auch einen Näh- und Bastelkalender damit drucken lassen. Den Kalender zu machen, war ein echtes Großprojekt und ich weiß nicht, ob ich es gemacht hätte, wenn ich vorher gewusst hätte, wie viel Arbeit das machen würde: Designs ausdenken, Prototypen nähen, Texten, Illustrationen erstellen, Fotografieren lassen, Layouten, Druckdaten aufbereiten und die CD mit den Schnittvorlagen pressen lassen. Da war ich dann froh, dass mir mein vorheriger Job antrainiert hat, einen kühlen Kopf im Angesicht näher rückender Deadlines zu behalten. Sonst hätte ich wahrscheinlich nachts nicht mehr schlafen können. Inzwischen hat der Filzhandel allerdings etwas überhandgenommen, so dass ich gar nicht mehr dazu komme, mir Bastelanleitungen auszudenken. Das muss sich in Zukunft ändern.
Wie kommst Du auf Ideen für neue Anleitungen? Was inspiriert Dich?
Wie viele Menschen auch, habe ich die besten Ideen, wenn ich nicht bewusst über etwas nachdenke, also zum Beispiel unter der Dusche. Oder beim Musikhören – das Filzhühnchen im Bild wurde natürlich von Buddy Holly inspiriert. Oft ergibt sich auch aus Alltagssituationen heraus die Notwendigkeit für ein Produkt, sagen wir: eine Handyhülle, und dann stellt sich nur noch die Frage, welches Design aus diesem relativ unspannenden Gegenstand ein Hingucker werden lässt. Da fällt mir dann vielleicht etwas in den zuvor genannten Situationen ein oder ich setze mich tatsächlich hin und denke wirklich über ein Design nach. Gerade, wenn man im August auf dem Balkon sitzt und Schneeflockendeko näht, dann ist das garantiert nicht von der weihnachtlichen Stimmung um einen herum angeregt worden. Es entsteht halt nicht immer alles aus kreativer Spontanität und Geistesblitzen heraus. Eins muss ich allerdings zugeben: Ich habe einen sehr chaotischen Schreibtisch mit unglaublich viel buntem Plunder, da kann man gar nicht nicht inspiriert sein.
Bekommst Du Feedback von Deinen Kunden und Kundinnen? Was haben diese aus Deinem Filz bisher gemacht?
Oh, ja. Es gibt immer wieder Kunden, die mir bei der Bestellung erzählen, was sie mit meinem Filz machen wollen, gerade, wenn es Stammkunden sind. Da sind ganz häufig Mobiles oder Fühlbücher für Babys dabei, Karnevalskostüme, Taschen aller Art oder auch mal Restaurationsprojekte, wie ein Dame-Spielset und Lautsprecher. Auffällig häufig nähen meine Kunden aber anscheinend Nudeln aus Filz, das hat mich am Anfang etwas verwundert. Inzwischen habe ich schon aufgehört zu zählen, wie oft ich nach der perfekten Filznudelfarbe gefragt wurde (Je nach persönlicher Vorliebe ist das Vanille, Milchkaffee, Beige oder Schwefelgelb). Besonders toll finde ich den Prototypen für einen Designerstuhl, den eine Studentin teilweise mit meinem Filz ausgekleidet hat – ein Foto davon kann man auf der Filzbot-Facebook-Fanpage sehen (sorry, liebe Fans, dass ich so selten update!). Auch nett: Vor kurzem hatte ich eine ziemlich große Bestellung – von einer JVA. Da werden aber ganz harmlose Sachen wie Täschchen und Schlüsselanhänger entstehen. Geschmunzelt habe ich trotzdem erst einmal.
Was reizt Dich selbst so sehr am Arbeiten mit Filz?
Filz ist ein super praktisches Material und gerade für Anfänger sehr dankbar, da man ihn wirklich einfach nur zuschneiden muss und losnähen kann. Kein Versäubern, kein Vorwaschen. Je nach Stärke und Qualität kann man damit ganz unterschiedliche Projekte verwirklichen: Edler Wollfilz für Taschen, kunterbunter Bastelfilz für lustige Stofftierchen. Man kann ihn mit der Hand oder der Maschine besticken, bedrucken, mit Bändern aufpeppen, applizieren – Filz ist einfach sehr vielseitig und lässt sich so einfach verarbeiten, dass damit auch Nähanfänger klarkommen. Wenn ich mir eine Anleitung ausdenke, ist mein liebster Arbeitsschritt allerdings das Aussuchen der Farben. Ich könnte stundenlang meine Swatches hin- und herschieben, um neue Farbkombinationen zu finden. Das steigert die Vorfreude aufs Nähen und das fertige Produkt ungemein.
Gib uns doch einen kurzen Ausblick: Was sind Deine Pläne für die Zukunft, was können wir noch von Filzbot erwarten?
Der Filzbot hat zum Jahresende hin die fantastische und wirklich einmalige Chance bekommen, einen Kreativaufenthalt in London einzulegen. Deswegen bin ich schon ganz hibbelig und auch gespannt darauf, welche tollen Sachen mir dann beim Duschen in viktorianischen Badewannen mit Klauenfüßen einfallen. Da der Filz leider nicht mit auf die Insel reisen kann, hier noch ein Hinweis für die Weihnachtsfilzdekobastler: Kauft jetzt – bevor mein Shop in den Winterschlaf geht ;-). Wie ich oben schon angedeutet habe, würde ich mich gern in Zukunft wieder mehr auf das Anleitungenschreiben konzentrieren. Das wird also im nächsten Jahr definitiv ein Thema sein. Und dann habe ich da jüngst ein paar tolle bedruckte Filze entdeckt… Es bleibt spannend.
Herzlichen Dank an Saskia für das Interview.
Saskia hat Euch mit ihrer Freude am Selbermachen angesteckt? Dann stöbert doch einmal durch unsere Anleitungen-Rubrik im Blog und beginnt Euer nächstes DIY-Projekt.
Verratet uns: Was haltet Ihr von Filz und was ist daraus entstanden?