Interview: Hamburger Blütezeit

Anne von Hamburger Blütezeit ist durch und durch Nordlicht. Die 31-Jährige liebt das Nähen und Gestalten von einzigartigen Produkten, die immer eine tiefe Bedeutung für den Käufer haben sollen. In diesem Zusammenhang hat sich die Hamburgerin besonders ausgiebig den kleinen Monstern gewidmet, die in diesem Fall keinen Schrecken verbreiten, sondern beim Erfüllen der innigsten Wünsche helfen sollen. “Man muss den Knopf am linken Fuß des Monsters drücken, sich den Wunsch wünschen und dann das Monster über Nacht unter seinen Kopf legen.” Welche eigenen Wünsche die Designerin hat, wann sie am kreativsten ist und wie sie auf diese besondere Idee kam, hat sie uns verraten:

Bitte stell Dich kurz vor:
Mein Name ist Anne Prostka. Im Sommer 2010 habe ich mein Label „Hamburger Blütezeit“ gegründet. Unter diesem Namen entstehen seither Produkte, die der Zusatz „Farben, Formen und Details – Handgemachtes aus Hamburg“ auszeichnet.
In erster Linie nähe und verkaufe ich meine Wunschmonster. Wunschmonster, das sind wahre Experten auf dem Bereich der Wunscherfüllung. Von den großen Wunschmonstern gibt es die Schnubululus, die mit dem Zahn, und die Tabalalas. Bei den kleinen Wunschmonstern ist das Alltagsduo Lolo & Lala in Sachen Wunscherfüllung unterwegs.

Wie hast Du Deine kreative Ader entdeckt und wer inspiriert Dich?
Ich hatte immer schon eine ausgesprochen hohe Affinität zu Farben. Bei mir haben Namen und Zahlen Farben, auch Gefühle „fühlen“ sich farbig an. Das war schon immer so und genauso lange habe ich meine Welt mit Farben ausgedrückt. Viele Jahre später habe ich gelernt, dass es dafür einen Begriff gibt: Synästhesie – ich bin also Synästhetikerin. Damit kann ich nicht mehr oder wenig als andere, nur dass ich in Farben „fühle“ und diese daher ein ganz wesentlicher Bestandteil meines Lebens sind. Darum liebe ich alles, was bunt ist und sich „gut anfühlt“.

Hast Du Vorbilder im Bereich Design? Wenn ja, wen und warum?
Ganz ganz viele Designer sind meine Vorbilder und viele davon sind bei DaWanda. Ich finde es sehr inspirierend auf DaWanda zu stöbern und zu schauen, was Andere machen. Denn oft ist es so, dass mich diese Besuche auf neue Ideen bringen: Hier eine neue Farbkombination, da der Gedanke, auch mal ein anderes Material auszuprobieren. Es gibt so vieles, was ich noch machen, verbessern und ausbauen möchte. Und dabei sind so viele der anderen Kreativen, die einen ähnlichen Weg eingeschlagen haben, wie ich, sehr inspirierend und motivierend. Andere haben schon erreicht, wohin ich möchte, das finde ich toll. Es gibt aber keinen bestimmten Designer, den ich toll finde – es ist die Summe aller, die mich inspiriert und vorantreibt.

Wie kommst Du auf die Idee für neue Produkte und mit welchen Materialien arbeitest Du?
Ja, wie kam ich auf die Idee der Wunschmonster – das ist eine längere Geschichte. Ich habe Psychologie studiert und während dieser Ausbildung häufiger Menschen getroffen, die kleine, mittlere und manchmal auch schon größere Lebenskrisen durchlebt haben. Und als ich beschloss, mich mit meiner Leidenschaft, dem Nähen, selbständig zu machen, wollte ich etwas finden, was es so noch nicht gab. Es sollte gleichzeitig eine tiefere Bedeutung haben und vielleicht auch ein bisschen Hilfe geben. Die Idee kam dann über das Wünschen, denn aus Wünschen werden Ziele. Wer sich jeden Abend vor dem Schlafengehen noch einmal überlegt, was er eigentlich wirklich möchte und aus tiefstem Herzen wünscht, der handelt irgendwann auch danach. Das ist ein psychologischer Effekt. Das war also die Grundidee. Und welche Wünsche haben die Menschen: Glück, Liebe, Hoffnung, Glaube, Mut, Stärke, Gesundheit. Also habe ich Wunschexperten entwickelt, die einen bei sehr wichtigen Wünschen unterstützen und jeden Abend daran erinnern, diesen Wunsch zu erreichen. Die Wunschmonster sind also das Ergebnis einer Kombination aus Psychologie und der Leidenschaft zum Nähen!

Beschreibe kurz Deinen kreativen Arbeitsprozess:
Oh, das ist sehr unterschiedlich. Manchmal liege ich abends im Bett und plötzlich habe ich eine Idee, wie etwas toll zusammen aussehen könnte oder was ein schönes neues Produkt wäre. Dann kann es wiederum sein, dass ich mich bewusst hinsetze, mir andere Shops anschaue, mit Leuten spreche und Ideen sammele. Das alles zusammen bleibt dann erstmal in meinem Kopf und arbeitet so vor sich hin bis ich irgendwann die Idee oder eine Vorstellung habe und mich an die Umsetzung mache. Dann wird skizziert, radiert, Stoffe begutachtet, Stoffe verworfen, geschnitten, weggeworfen, wieder zugeschnitten, dann genäht oder gestickt, Garnfarben ausprobiert, usw… Bis es mitten in der Nacht ist und ich hoffentlich mit dem ersten Entwurf fertig bin.

Wer sind Deine Kunden und was ist Dein Verkaufsschlager?
Kinder und Erwachsene jeden Alters. Die Monster werden wirklich zu jedem Anlass verschenkt: Geburt, Taufe, Einschulung, Geburtstage, Weihnachten, Hochzeit, als Glücksbringer, usw. Das einzige, was meine Kunden eigentlich fast alle gemeinsam haben, sie verschenken die Monster und kaufen sie selten für sich selbst. Wünsche hat eben Jeder! Die beliebtesten Motive sind Glück & Liebe und die Sonne. Mit solch einem Wunschmonster verweilt man nämlich stets auf der Sonnenseite des Lebens!

Wie wichtig ist Dir das Netzwerken mit anderen Kreativen?
Es ist wichtig, ein Netzwerk zu haben. Denn als Selbständige muss man wirklich alles selber machen und da ist es definitiv sinnvoll, Menschen zu haben, die man fragen kann. Ich denke da vor allem an die nicht-kreativen Aufgaben, wie Buchhaltung, Steuern, Bildbearbeitung oder Webdesign. Man muss nicht alles können, man muss aber wissen, wen man fragen kann.
Außerdem macht es mir total Spaß, andere Kreative kennen zu lernen, wie zum Beispiel auf Designmärkten. Ich finde es zum einen wirklich interessant, welche Ideen andere haben und welchen Weg sie gehen. Zudem bekommt man im Gespräch dann auch häufig die eine oder andere neue Information oder einen Tipp, auch was das Handwerkliche angeht. Ich habe mir zum Beispiel eine Stickmaschine gekauft und bin sehr froh darüber, mir die Handhabung nicht komplett allein beibringen zu müssen.

Welche Rolle spielt DaWanda für Deine kreative Tätigkeit und was hat sich für Dich verändert, seit dem Du Deinen DaWanda-Shop eröffnet hast?
Ich habe mich im Herbst 2010 zwar bei DaWanda angemeldet, war aber nicht sehr aktiv. Das wurde ich erst im Sommer 2011 und bin total überrascht gewesen, wie positiv die Resonanz seither ist. DaWanda ist ein wirklich großartiges Portal für meine Produkte. Hier versammeln sich alle, die auf der Suche sind nach besonderen Produkten, nach neuen Ideen und die individuelle Handarbeit schätzen. DaWanda gibt mir die Möglichkeit, weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt zu werden, weil es genau meine Zielgruppe anspricht. Zudem bietet DaWanda Inspiration, Motivation und Netzwerk. Forum und Blog machen viele Dinge außerdem einfacher, weil man eigentlich immer eine Antwort auf jede Frage erhält.

Welchen Ratschlag würdest Du jemanden geben, der vor hat seine kreativen Träume zu verwirklichen?
Ich denke, es gibt immer einen Weg, wenn man etwas wirklich machen möchte. Man muss sich allerdings dessen bewusst sein, dass die Arbeit nicht nur aus kreativem Künstlerdasein besteht. Vieles hat nichts mit der eigentlich handwerklichen Arbeit zu tun, wenn man seine Produkte auch verkaufen möchte. Zuviel sollte man da aber auch nicht drüber nachdenken, sondern einfach mal den ersten Schritt gehen. Dann kann man schauen, wie der zweite Schritt aussieht.
Meine Tipps für den Einstieg bei DaWanda? Super Produktfotos und ein professioneller Shopbanner. Damit steht und fällt ein Onlineshop. Dann hat man auf jeden Fall die Basis gelegt, um erfolgreich verkaufen zu können. Und dann empfehle ich guten Service: Also zeitnah zu antworten, auf Wünsche einzugehen, immer freundlich zu sein und sich an die angegebenen Versandzeiten zu halten.

Nenne bitte Deine drei Lieblingsshops auf DaWanda und verrate uns warum Du sie so magst:

  • kleinerwolkendracheAnna habe ich auf einem Weihnachtsmarkt in Hamburg kennen gelernt, wir waren Stand-Nachbarn. Mich haben ihre Fähigkeiten auf der Stickmaschine sehr beeindruckt und außerdem legt sie sehr hohen Wert auf Kundenzufriedenheit: Anna macht alles möglich – das finde ich toll.
  • Senf P.a.u.l.i.: Die Senfsorten von SenfPauli sind wirklich außergewöhnlich und extrem lecker. Sie eignen sich durch die kleinen Gläser hervorragend als kleine Aufmerksamkeit oder Mitbringsel.
  • betonscherepapierHier gibt es neue Ideen, die ich vorher noch nirgendwo anders gesehen habe: das Muffinlicht ist mein Favorit.

Dein Schlusswort?
Es lebe die Kreativität!

P.S.: Wenn Ihr auch im Montagsinterview vorgestellt werden möchtet, sendet bitte Euren ausführlich ausgefüllten Fragebogen an Anna unter interview@dawanda.com. PS. Fotos im Querformat nicht vergessen!

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Beitrag von Franziska Muennich

geschrieben am 20.08.2012 um 10:00 Uhr.

Kategorie: Interviews

4 Kommentare

  1. Teresa Hammerl (20.08.12 10:19 Uhr)

    Die Wunschmonster sind unglaublich süß, eine wunderbare Idee!

  2. NIcole (22.08.12 11:02 Uhr)

    Sehr süße Idee, das sind sehr schöne bunte Wunschmonster!

  3. Farbenfreundin (31.08.12 10:34 Uhr)

    …auch nicht schlecht, aber die Shwe Shwe Poppies aus Soweto sind einfach unerreicht. Die Entwürfe sind von Kindern und das schwingt irgendwie mit, oder – was sagt ihr? http://farbenfreundin.de/?p=3152

  4. Monika (15.10.12 16:20 Uhr)

    Mensch, die sehen alle so suess aus:)

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