Im Interview: Atelier kleine Freiheit

von am 02.07.2012 um 10:00 Uhr | 8 Kommentare | Interviews

Schiff Ahoi! Bei Meike aus Kiel weht ein maritimer Wind! Für ihr Label Atelier kleine Freiheit fertigt die selbstständige Goldschmiedin in ihrem Atelier kleine Geschichten aus Gold, Silber und Blattgold. Zum Reportoire gehören handgefertigte Schmuckstücke, poetische kleine Skulpturen und kleine Auflagen von Druckgrafiken. Ihre Werke sind fröhliche Hoffnungsträger und lassen sich besonders gut an liebe Menschen verschenken, zum Geburtstag, zur Hochzeit, zur Taufe und eignen sich natürlich auch gut zum Behalten! In Ihren Designs kommt Kunst und Schmuck zusammen – wir sind beeindruckt und haben deshalb gleich für ein Interview angeklopft!

Bitte stell Dich kurz vor:
Mein Name ist Meike, ich bin ausgebildete Goldschmiedin und lebe und arbeite in Kiel und habe das Glück, seit einigen Jahren Inhaberin eines kleinen Ateliers für Schmuck und Kunst zu sein. Das Atelier teile ich mir mit meinem Mann, der auch freischaffender Künstler ist – so findet man bei uns neben Schmuck, meinen kleinen Kunst-Objekten und Drucken auch Malereien und Objekte meines Mannes. Meine Arbeiten entstehen alle in meinem eigenen Atelier, welches gleichzeitig auch Showroom ist. Man findet mich hier von Montags bis Samstags, also die ganze Woche über! Wer Lust hat, einen kleinen Einblick in den Atelier-Alltag zu erhaschen, schaut auf meinem Blog Atelier kleine Freiheit vorbei.

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben und was kennzeichnet ihn?
Bunt. Leicht. Fröhlich. Verspielt, aber schnörkellos.

Wer sind Deine Kunden und was ist Dein Verkaufsschlager?
Meine Kunden, d.h. nicht nur hier bei DaWanda, sind total nett, begeisterungsfähig und treu! Die DaWanda-Kundinnen kenne ich ja nur über den E-Mail-Kontakt und das ist der einzige Wermutstropfen, dass ich nie die Person sehen oder hören kann, die ein Stück bei mir anfertigen lässt. Trotzdem, es klappt auch gut mit E-Mails und auch so wird der Kontakt persönlich. Sehr beliebt sind meine kleinen Kunst-Objekte mit Treibholz. Sie werden besonders gern als Hochzeitsgeschenk bestellt, aber auch zur bestandenen Prüfung, zum Geburtstag, Umzug, zur Geburt – eben immer, wenn ein wichtiger persönlicher Meilenstein im Leben passiert. Und auch die wellenförmigen Ahoi-Ringe sind ein Lieblings-Stück, viele Kunden lassen sich auch individuelle Worte oder Text-Stücke auf die Ringe stempeln.

Wie hast Du Deine kreative Ader entdeckt und was gibt Dir Inspiration?
Meine eigentliche Leidenschaft war immer das Zeichnen, schon als Kind und später als Teenager habe ich dicke Mappen voller Skizzen und Zeichnungen angesammelt. In meiner Schulzeit kam ich dann mit verschiedenen Metall Bearbeitungstechniken in Berührung und damit kam ich viel besser zurecht, als beispielsweise mit der Nähmaschine oder mit Papier. Scheinbar brauche ich beim Handwerk etwas stabiles, was nicht weg flutscht oder so zart und empfindlich ist wie Papier. Kunst und Design haben mich schon früh begleitet und so war der Schritt zu einem künstlerischen Beruf eigentlich naheliegend. Wobei ich bis heute zahlreiche Interessen habe und in meinem Ausbildungsweg nicht geradeaus gegangen bin. Gern hätte ich z. B. noch ein Studium in Richtung Design oder Kunst absolviert, aber das war aus finanziellen und auch zeitlichen Gründen nicht möglich. Also schöpfe ich aus dem, was ich mir selbst erarbeite und realisieren kann. Vorbilder im Bereich Design und Kunst habe ich sicher viele, aber ich bewundere vor allem Menschen, die unbeirrt ihren Weg gehen und sich nicht in scheinbar vorgegebene Bahnen schieben lassen. Bei Schmuckgestaltern und im Design generell finde ich es immer ganz toll, wenn sich ein klarer, eindeutiger Stil herauskristallisiert.

Beschreibe kurz Deinen kreativen Arbeitsprozess:
Mein Traum: Zwei Wochen Zeit nur für kreatives Arbeiten!!! Die Realität: Natürlich habe ich das große Glück, in meinem eigenen Atelier-Laden selbst meine Zeitabläufe bestimmen zu dürfen, aber ein grosser Anteil entfällt auch auf so profane Tätigkeiten wie Aufräumen, Bestellungen, Planung der Auftragsarbeiten, Fenster putzen. Tatsächlich muss ich gestehen, dass ich gern mal im Chaos stecke und meine größte Herausforderung momentan darin besteht, alle anfallenden Arbeiten so zu planen und zu koordinieren, dass noch genug Zeit für kreative Phasen übrig bleibt! Wenn das dann klappt, zücke ich den Kugelschreiber – ja, ich zeichne am liebsten mit dem Kuli – und mache Entwürfe, und mit etwas Glück sehen die Stücke dann am Ende so aus, wie ich sie mir vorgestellt habe. Manchmal fange ich aber auch einfach an, mit Metallstücken, Steinen oder Papierschnipseln herum zu spielen und Muster anzuordnen und daraus entsteht dann eine neue Idee.

Wie kommst Du auf die Idee für neue Produkte und mit welchen Materialien arbeitest Du?
Ich entwickele oft kleine Serien oder Kollektionen zu einem Thema. Eine Form ist manchmal zu schön, um nur ein einziges Stück davon herzustellen und so entstehen oft Stücke, die zusammen passen oder sich gut ergänzen. Mein Kopf ist permanent voller Ideen, woher diese konkret kommen – ich wüsste es auch manchmal gern! Bei meinen Schmuckstücken ist Silber mein Haupt-Arbeitsmaterial. Gelbgold verwende ich auch, aber eher als Ergänzung und edle Zutat. Zur Farbgestaltung verwende ich gerne spezielle Acryl-Lacke, die ich mit echtem Blattgold verfeinere. Natürlich verwende ich auch Farbsteine, aber spannender finde ich es, mit Lacken und Farben zu experimentieren. Mein Traum ist ein Emaillier-Ofen und das entsprechende Zubhör, da man im Emaille unendliche Farbmöglichkeiten hat. Aber es ist auch eine anspruchsvolle Technik, für die es viel Erfahrung braucht, die ich mir erst erarbeiten muss. Vielleicht klappt es ja eines Tages! Bei meinen Objekten und Skulpturen verwende ich oft Treibholz als Träger für die kleinen Passagiere, die segelnden Hasen. Treibholz steht für mich ganz simpel für das stetige Unterwegssein und für die Vergänglichkeit – durchaus in einem positiven Sinne! Wenn ich mit Mann und Hund an der Kieler Förde spazieren gehe und ein schönes Stück Treibholz finde, frage ich mich ganz oft „was mag das früher mal gewesen sein? War es vielleicht das Bein von einem Stuhl? Ein Bettpfosten?“ Und dann verwandele ich das Stück in Verbindung mit etwas anderem zu einem kleinen Kunstobjekt. Und wer weiss, was daraus in ein paar Jahrzehnten wird? Wohin wird es reisen…eines Tages?

Wie siehst Du Deine Zukunft als Kunsthandwerkerin?
Oh, das ist schwierig! Der Grund, weshalb wir unser Atelier Atelier kleine Freiheit genannt haben, sind die vielen kleinen Schritte, aus denen sich unsere gemeinsame Sache entwickelt hat. So sehe ich auch in die Zukunft. Nicht zu weit voraus denken, immer eins nach dem anderen. Wenn ich zurückblicke, sehe ich mich mit einem ganz kleinen Tisch bei den ersten Kunsthandwerks-Ausstellungen. Heute habe ich einen kleinen, aber feinen eigenen Atelier-Laden. Was morgen kommt. – wer weiß das schon? Meine spielerische Heransgehensweise, das gewisse Chaos, das möchte ich mir erhalten. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Mehr Zeit für Kunstobjekte zu haben, auch den Bereich Zeichnung und Druckgrafik würde ich gern weiter ausbauen.

Was hat sich für Dich verändert, seit dem Du Deinen DaWanda-Shop eröffnet hast?
Für mich hat sich ein ganz neuer Kundenkreis erschlossen, den ich ohne DaWanda sicher nicht ohne weiteres erreicht hätte. Zu sehen, in welche Himmelsrichtungen die bestellten Stücke verschickt werden, macht jedes Mal wieder Spaß! Meine kreative Tätigkeit hat sich glaube ich, nicht grundlegend verändert, vielmehr sehe ich mich in meiner Arbeit bestätigt und freue mich, mittlerweile auch über das Internet Stammkunden gefunden zu haben.

Was würdest Du DaWanda-Neulingen raten?
Ausprobieren ist immer gut, aber man darf den Zeitaufwand nicht unterschätzen, der gerade am Anfang nicht unerheblich ist. Vielleicht lassen sich manche erstmal von den rechtlichen und behördlichen Hürden abschrecken, aber die hat man auch, wenn man im „echten Leben“ geschäftlich starten will, also keine Angst und ran an die Paragraphen! Und ansonsten: Folge Deinem Herzen!

Nenne uns Deine liebsten Orte im Netz:
Sehr gern lese und schaue ich bei titatoni toll bebilderte DIY`s, für die ich aber leider nie Zeit habe, aber gucken macht auch Spaß! Total verliebt bin ich in die skurrilen Wesen, die das wunderschöne Pariser Appartement von swig bevölkern! Und regelmässig informiere ich mich auf der Seite des Bundesverbandes Kunsthandwerk & Design e. V. über Neuigkeiten und überregionale Ausstellungs-Aktivitäten.

Wie wichtig ist Dir das Netzwerken mit anderen Kreativen?
Nachdem ich meine erste Skepsis dem Online-Handel gegenüber abgelegt habe, macht es mir riesigen Spaß und ich habe mittlerweile einige sehr nette Kontakte über das Internet und bei DaWanda gefunden! Zum Beispiel die Gruppe Goldschmiede bei DaWanda – sogar einen eigenen Blog gibt es: Goldschmiede bei DaWanda Ich habe dort auch schon Beiträge geschrieben, komme aber momentan aus Zeitmangel leider nicht zu weiteren Aktivitäten. Ein Besuch dort lohnt sich unbedingt und wir freuen uns über jedes neue Mitglied welches Lust hat, den Beruf des Goldschmieds mit all seinen Facetten für die DaWanda- Kunden erlebbar zu machen! Ich bin begeistert von so viel netzübergreifendem Engagement für unseren Beruf!

Nenne bitte Deine drei Lieblingsshops auf DaWanda und verrate uns warum Du sie so magst:

  •  bastisRIKE: Unverwechselbar, klar, schlicht und sehr fürs Herz!
  •  RODUKTformen: Filz und Beton, coole und edle Wohnaccessoires!

Erzähl uns Deine persönliche DaWanda-Story:
Ein Star hat bei mir noch nicht eingekauft, aber kürzlich erschienen meine Ahoi-Ringe, welche auch  gerade im Sommer-Lovebook abgedruckt wurden, im „IN“-Magazin, immerhin direkt neben Topmodel Bar Refaeli. Das ist doch schonmal was, oder?!

Dein Schlusswort?
AHOI!

P.S.: Wenn Ihr auch im Montagsinterview vorgestellt werden möchtet, sendet bitte Euren ausführlich ausgefüllten Fragebogen an Anna unter interview@dawanda.com. PS. Fotos im Querformat nicht vergessen!



8 Kommentare

  1. Claudia (02.07.12 17:24 Uhr)

    hallo

    kannst du auch Siegelring Modelle herstellen???
    Sehr schöne Arbeiten die man hier so sehen kann!!

  2. Meike (02.07.12 20:49 Uhr)

    Liebe Claudia!
    Vielen Dank für Dein Kompliment!
    Schreib mir doch bitte über die Kontaktfunktion in meinem Shop eine Mail, dann kann ich Dir Auskunft geben! Grundsätzlich kann ich Siegelringe bauen, ja.
    LG Meike

  3. Maria (02.07.12 21:43 Uhr)

    Ahoi Meike,

    ein total schönes & ehrliches Interview und toll dich hier wieder zusehen (nach LookyLook). :)

    Deinem Blog folge ich schon längst & darueber lass mich gerne auch weiterhin durch deine bezaubernde Arbeit beeindrucken!

    Viele Grüße
    Maria

  4. swig - filz felt feutre (02.07.12 23:04 Uhr)

    oh, was für eine nette Überraschung! und schön, dass wir hinter die Kulissen schauen konnten… die allerherzlichsten Grüsse aus Paris!

  5. rosis atelier (03.07.12 20:25 Uhr)

    Einen sonnigen Schwarzwaldgruß in den Norden,
    als ich das hier gelesen habe,dachte ich erst ich habe es geschrieben an manchen stellen.Ja putzen müssen wir unsere Ateliers eben auch.Deine Arbeiten erinnern mich an meine Silberschmied Kurse , die Lehrerin hatte auch ähnliche Ideen und arbeiten wie du. Sie weilt mittlerweile in Kanada mit ihrer Familie.
    Es ist alles so wunderschön und deine Mäuse auf dem Treibholz super Klasse.

    Wünsche dir noch viele kreative Tage Stunden Wochen………………….

  6. ka-margeritas (04.07.12 09:33 Uhr)

    yeaahh… und ich bekomme zum Geburtstag einen Ring von meiner Lieblingsgoldschmiedin. Meike und ihr Atelier sind absolut bezaubernd. Ihr müsst sie unbedingt besuchen!

  7. Jrène (11.07.12 20:55 Uhr)

    hejsan meike,

    es ist so erfrischend das interview von dir, deinem atelier und deiner wunderbar kreativen arbeit. und wäre die erde nicht so gewölbt und die ostsee noch näher am alpenrand, dann könnte ich viel öfters mal bei dir reinschauen. mit dir zu plaudern und zu bewundern welches treibholz mit schiff wieder in die welt hinaus schippert, da wäre ich ab und zu gerne dabei …

    ich wünsch dir allzeit viel erfolg und noch viele tausend ideen.

    herzliche grüsse vom schweizerischen alpenrand
    jrène

  8. Meike (12.07.12 13:02 Uhr)

    Liebe Jrene…Ihr habt doch in der Schweiz so einen feinen Teilchenbeschleuniger, vielleicht darfst Du den mal borgen für einen schnellen Besuch in Kiel? (Hm, aber ich glaube das ist in der frz. Schweiz…)
    Danke Ihr Lieben alle, das ist vielleicht schön so viele tolle Kommentare zu lesen!
    Ahoi,
    Meike

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