Im Interview: PUKIZO

von am 11.06.2012 um 10:00 Uhr | 4 Kommentare | Interviews

Bei Anna aus Berlin kann man die Katze im Sack kaufen. Das steht zumindest auf einem Ihrer Jutebeutel, die Ihr bei PUKIZO kaufen könnt. Denn für ihr Label stellt sie illustrierte Kleidung und Accessoires her. Nicht überheblich, meist schlicht in schwarz-weiß, bedruckt Anna ihre Designs im Siebdruckverfahren alle selbst. “Der tolle Nebeneffekt dabei ist, dass ich wahrscheinlich jeden Athleten im Armdrücken besiegen könnte.” Anna ist aber nicht nur im Armdrücken gut, sondern auch im Zeichnen. Als freie Künstlerin zeichnet sie auch für Magazine und fertigt kleine Auftragsarbeiten, druckt Poster und Flyer und betreibt zum unserem Glück ihren Shop PUKIZO bei DaWanda. Wir wollten natürlich mehr über die Wahlberlinerin wissen…

Bitte stell Dich kurz vor:
Mein Name ist Anna, ich bin Illustratorin, lebe und arbeite in Berlin. Ich habe Illustration an der Folkwang Universität der Künste in Essen studiert. Nach meinem Diplom habe ich ca. zwei Jahre in einer Werbeagentur in Düsseldorf als Junior Artdirector gearbeitet und stellte mit der Zeit fest, dass klassische Werbung nichts für mich ist.  Ich zog nach Berlin und machte mich auf die Suche nach einer Möglichkeit den Siebdruck zu erlernen, da ich wieder die Balance in meiner Arbeitsweise herstellen wollte. Ich hatte Lust wieder analog zu arbeiten, mir die Finger schmutzig zu machen und rumzuexperimentieren, immer mit dem Gedanken im Kopf, dass ich irgendwann einmal von meinen Illustrationen leben kann. Das Glück war auf meiner Seite, denn ich fand dann den Drucksalon, wo ich einen Siebdruckkurs gemacht habe. Zu der Zeit hat die Ateliergemeinschaft einen neuen Mieter gesucht, ich habe sofort zugesagt und mich in die Arbeit gestürzt. Der Siebdruck hat mir ermöglicht meine Illustrationen auf einer ganz anderen Ebene zu präsentieren und mit anderen zu teilen. Ich habe ganz klein angefangen, meine Arbeiten auf einigen Märkten verkauft und festgestellt, dass sie super ankommen. Das bewegte mich dann letztendlich dazu Ende 2010 mein Label PUKIZO zu gründen.

Wie beschreibst Du Deinen eigenen Stil?
Eine Kundin von mir hat meinen Stil mal als „anders“ beschrieben, ich empfand das als ein schönes Kompliment. Meine Produkte sind überwiegend schwarz-weiß mit wenigen farblichen Unterbrechungen, weil ich immer so gezeichnet habe. Der Kontrast zwischen einem weißen Blatt Papier und einer schwarzen Tuschelinie empfinde ich einfach als sehr ästhetisch und sehr plakativ. Ich würde sagen, der Stil ist mystisch, magisch, anatomisch, vielleicht ein bisschen dunkel.

Wer oder was inspiriert Dich?
Ich zeichne eigentlich seit ich einen Stift in der Hand halten kann, so kann ich mich am besten mitteilen, wichtige Momente festhalten, kommunizieren, verarbeiten. Mich inspirieren viele Sachen. Ich bin ein großer Fan von Animationsfilmen wie z.B.  „The Street Of Crocodiles“ von den Quay Brothers, nach dem Roman von Bruno Schulz. Ich liebe die Filmplakate von Franciszek Starowieyski, weil sie ein bestimmtes Gefühl transportieren, welches mich anspornt mein Skizzenbuch zu greifen und drauf los zu zeichnen. Ich hatte schon immer ein Faible für alte Anatomiebücher. Der menschliche Körper hat so viele interessante Strukturen und Muster und ist einfach eine riesige Inspirationsquelle aus der man immer schöpfen kann.

Wie kommst Du auf die Idee für neue Illustrationen?
Manchmal ist es nur ein kleiner Impuls der ganz natürlich zu einer neuen Idee führt, manchmal entsteht eine Idee nach sehr langem rumgrübeln und hin und wieder irgendwo zwischen Tagträumen und Mittagessen. Oftmals suche ich auch gerne in meiner Vergangenheit nach Inspirationen. Jedes Motiv welches ich zeichne ist sehr persönlich. Das Shirt mit den Ratten ist beispielsweise „Chucky“ gewidmet, einer süßen Ratte, die ich als Teenie besaß und heimlich in meinem Schal unter meinen Haaren versteckt wohnen ließ, weil ich keine Ratte haben durfte. Manche Elemente, die ich faszinierend finde, kommen in den Zeichnungen immer wieder vor, wie zum Beispiel Zähne. Neben meinem Bett liegt ein kleines Skizzenbuch wo ich manchmal notiere was mir nachts so durch den Kopf spukt. Es ist mir ausserdem sehr wichtig Materialien zu verwenden, die der Umwelt nicht schaden, so drucke ich mit Farben auf Wasserbasis und achte darauf, dass die Shirts, die mir als Leinwand für meine Illustrationen dienen auch ökologisch und als fair-trade hergestellt wurden.

Kannst Du uns etwas über die Herstellung erzählen?
Wenn ich eine bestimmte Idee im Kopf habe, die reif ist umgesetzt zu werden, recherchiere ich eine Weile, schaue mir Bilder an und mache kleine Skizzen, drucke Fotos aus und klebe sie mir an die Wand. Ich schaffe mir so eine kleine Mood-Ecke, die mir verdeutlicht in welche Richtung ich gehen will. Ich besitze viele Skizzenbücher und zeichne gerne Fragmente, Muster, Gesichter. Selten zeichne ich ein Bild komplett so, wie es dann letztendlich im Siebdruck erscheint. Verschiedene Zeichnungen werden dann eingescannt und viele male übereinander gelegt, dann mal wieder gelöscht oder verdoppelt, verschoben, vergrößert bis sich so ein Bild richtig für mich anfühlt. Meistens schlafe ich dann noch eine Nacht drüber und wenn ich am nächsten morgen immer noch von der Zeichnung überzeugt bin, wird die Illustration dann für den Siebdruck vorbereitet. Ab diesem Zeitpunkt wandelt sich dann die Dynamik der Arbeit und wird im Siebdruckatelier fortgesetzt. Bevor es aber mit dem Drucken losgehen kann, muss das Sieb dementsprechend vorbereitet werden, es wird mit einer Fotoschicht beschichtet, dann wird das Sieb mit dem Motiv belichtet, zwischendurch muss es trocknen, es dauert also schon ca. eineinhalb bis zwei Stunden bis endlich gedruckt werden kann. Es gibt aber noch tausend andere Dinge, die man beim Siebdruck bedenken muss. Nicht immer ist das Ergebnis so wie man es sich vorgestellt hat. Das Gewebe des Siebes spielt eine große Rolle, die Härte des Handrakels, die Farbkonsistenz und selbst die Raumtemperatur beeinflussen den Arbeitsprozess. Da gilt es einfach verschiedene Sachen auszuprobieren, Geduld zu bewahren. Meine Drucke erfolgen dann per Hand, wodurch kleine Unterschiede in den Motiven entstehen, die jeden Druck zum Einzelstück machen. Dieses analoge, körperliche Arbeiten ist ein kompletter Gegensatz zu der ersten Phase, wo meine Zeichnungen entstehen und das ist was die Arbeit so besonders und aufregend macht.

Wie bewahrst Du Dir ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit?
Arbeit und Freizeit verschmelzen bei mir momentan, da ich meine Arbeit ja eigentlich gar nicht als Arbeit sehe. Ich muss mich manchmal schon sehr dazu zwingen mal einen haben Tag nichts zu tun, was mir als Selbstständige nicht leicht fällt. Um mich zu entspannen oder mal wirklich was ganz anderes zu machen, backe ich zum Beispiel unglaublich gerne, gehe mit Freunden aus oder tanze mir die Seele aus dem Leib.

Wer kauft bei PUKIZO und was ist Dein Verkaufsschlager?
Meine Kunden sind vor allem junge und junggebliebene Leute, die sich mit den Zeichnungen identifizieren können und nach etwas außergewöhnlichem suchen. Der PUKIZO  Bestseller ist die „Katze im Sack“. Es ist nun mal ein sehr plakativer Beutel mit Schmunzelfaktor und einem sehr praktischen Aspekt zugleich, nämlich der kleinen Innentasche. Mein persönlicher Liebling im Shop ist momentan „An Artists Hand“, weil es sehr autobiographisch und eine meiner neusten Zeichnungen ist.

Worauf dürfen wir uns noch aus dem Hause PUKIZO freuen?
Ich experimentiere im Moment mit verschiedenen Materialien. Es werden Papierdrucke kommen und natürlich viele neue Motive. Die Ideen stehen bei mir im Moment Schlange – ich wünschte, ich hätte doppelt so viel Zeit oder ein paar extra Arme. Ich würde auch ganz gerne eine Winterkollektion einführen, momentan bin ich auf der Suche nach Hoodies, die meiner Vorstellung entsprechen. Es ist durchaus möglich, dass ich welche nähen lasse. Im Großen und Ganzen wünsche ich mir natürlich dass PUKIZO sich weiterentwickelt und bekannter wird.  Ich freue mich auf jede Herausforderung, die noch auf mich wartet.

Wie wichtig ist Dir das Netzwerken mit anderen Designern?
Das Siebdruckatelier in dem ich arbeite, teile ich mich zehn anderen tollen Künstlern. Dort habe ich immer die Möglichkeit mich auszutauschen und gemeinsam neue Techniken auszuprobieren. Gerne hole ich mir die Meinung meiner Mitdrucker über neue Motive ein. Die Präsenz im Netz ist natürlich auch sehr wichtig und ich versuche mein Label auf einer bestimmten Plattform immer aktuell zu halten. Momentan denke ich darüber nach einen PUKIZO Blog zu erstellen.

Welche Rolle spielt DaWanda für Dein kreatives Schaffen ?
Durch DaWanda erreiche ich natürlich viel mehr Menschen. Es ist sehr interessant zu sehen aus welchen Städten die Bestellungen kommen und es ist schön, sich vorzustellen dass  irgendwo in der Stadt xy eine PUKIZO Illustration von mir herumläuft. Man muss sich plötzlich nicht nur Gedanken über die Produkte selbst machen, sondern wie die Verpackung aussehen soll in der ich mein Druck verschicke, wie gestalte ich die Rechnung, gibt es noch eine kleine Überraschung dazu und, und, und. Wenn dann die positiven Reaktionen kommen, spornt das so richtig an weiter zu machen, sich noch mehr zu verbessern.

Nenne uns Deine liebsten Orte im Netz:

  • Design Sponge ist eine tolle Seite wo man sehr interessante DIY Projekte zum Nachmachen findet.
  •  Patternity besuche ich sehr oft. Hier dreht sich alles um Muster, seien es Treppenstufen, Kunstwerke oder Buchumschläge.
  •   Spotify- weil Musik auch eine große Inspirationsquelle für mich ist und immer im Hintergrund läuft wenn ich zeichne.

Nenne bitte Deine drei Lieblingsshops auf DaWanda :

  • Crop-Cosecha: Ich sammle Hüte und Crop Cosecha hat die wundervollsten, handgefertigten Hüte.
  • slbr_berlin: Ich habe bei slbr_berlin mal eine schwarze Lederkragenkette gekauft, das Päckchen kam an und es war eine schwarze und eine weiße Kette drin, da die Verkäuferin in meinem Shop schon mal gestöbert hat und meine Vorliebe für schwarz weiß erkannte. Die Lederkragenketten sind eine tolle Idee, liebevoll verarbeitet, genau mein Stil.
  • Ludovika van Inkpen: Softe, aufwendig geflochtene Armbänder in ganz tollen Farben und mit viel Charakter. Bin ein großer Fan.

Was würdest Du DaWanda-Neulingen raten?
Anfangen.  Auch wenn es nur ein paar wenige Produkte sind.  Wenn man einmal etwas in den Shop gestellt hat und sich bewusst darüber wird, dass dieses Produkt im Grunde von jedem einsehbar ist, ist es eine riesige Motivation weiter zu machen. Der erste Verkauf ist ein Fest. Dann sollte man immer versuchen den Standard zu halten, auch hier ist der Kunde König und freut sich umso mehr, wenn ein extra Wunsch erfüllt wurde.  Kommunikation ist sehr wichtig, da alles online passiert und es schnell zu Missverständnissen kommen kann.

Dein Schlusswort?
Ich habe letztens das „Unvollständige Manifest“ von Bruce Mau wieder für mich entdeckt. Das möchte ich jedem ans Herz legen, der eine kreative Blockade hat. „Bleib lange auf. Merkwürdige Dinge geschehen, wenn Du zu weit gehst, zu hart arbeitest und Dich von der Welt zurückziehst. Arbeite an den Metaphern. Jedes Ding kann für etwas anderes stehen. Arbeite an diesem Anderen. Wiederhole Dich. Wenn Du etwas magst, wiederhole es. Wenn Du etwas nicht magst, wiederhole es ebenfalls. (…)” Bruce Mau, Ein unvollständiges Manifest zum Wachstum, 2003 (Ausschnitt).

P.S.: Wenn Ihr auch im Montagsinterview vorgestellt werden möchtet, sendet bitte Euren ausführlich ausgefüllten Fragebogen an Anna unter interview@dawanda.com. PS. Fotos im Querformat nicht vergessen!

 



4 Kommentare

  1. Ivonne (11.06.12 11:12 Uhr)

    Ich bin begeistert und ein wenig neidisch über die Zeichenkünste von Anna. Das nenne ich totale Auslebung von Kreativität! Man merkt sofort, dass hier nicht das Geldverdienen im Vordergrund steht, sondern die Liebe zum Gestalten. Hut ab und weiterhin viel Erfolg!

  2. Lotte (11.06.12 14:22 Uhr)

    Ich schließe mich meiner Vorrednerin einfach an!
    TOLL

  3. jacqueline (12.06.12 21:47 Uhr)

    Mein “Brillen-Bully” ist immer in Taschenform bei mir!!^^
    Beim Handmade Supermarkt entdeckt und SOFORT in diese wunderschönen Zeichnungen verliebt.
    Mach weiter so!

    I ♥ PUKIZO

    Lieben Gruß aus Neukölln+ Danke fürs Fansein!

  4. Mit Pukizo die Katze aus dem Sack lassen | Dressed Like Machines (19.09.12 10:56 Uhr)

    [...] Geht es um frische Fashion-Brands, bin ich immer ganz Ohr. Wenn sie dann noch so sympathisch und super kreativ sind, wie das Team von Pukizo, wird mein Herz im Sturm erobert. Hier kauft man gerne mal die Katze im Sack, denn das fließt auch als Motiv in ihre Designs ein. Selten erlebt man es, dass so viel Liebe zum Detail in einer Marke steckt, wie hier. Ale Designs wurden mit  Leidenschaft gezeichnet. Und genau das ist das, was mich so begeistert. Simple Designs, hinter denen trotzdem etwas mysthisches steckt. Wer auch noch etwas mehr über die Gründer und Macher erfahren will, sollte sich unbedingt dieses tolle Interview bei Da Wanda zu Gemüte führen. [...]

Kommentar

© 2011 DaWanda GmbH