Grüner Donnerstag: Ist Seide eigentlich Bio? – Teil 2

Wusstet Ihr, dass der Faden eines Seidenraupenkokons bis zu 1,5 Kilometer lang sein sein kann? Im letzten Beitrag “Ist Seide eigentlich Bio?” im Rahmen unseres Grünen Donnerstags hat Euch Enrico von Lebenskleidung bereits von der Seidenherstellung in Indien berichtet. Im heutigen Beitrag erfahrt Ihr, wie aus den Konkons naturbelassene Seide entsteht.

Früher arbeiteten die Seidenraupensammler, die SeidenspinnerInnen und die lokalen Handweber meist für Geschäftsleute, die sich deren Dienste einkauften, um unregelmäßig und für einen sehr niedrigen Lohn Saris, Kurtas oder andere Textilien für den freien Markt herzustellen. Heute haben Sie einen festen Abnehmer mit der Kooperative und produzieren unter strengen Auflagen und Qualitätsmaßstäben eine wunderschöne handgewebte Tasar-Seide.

Um das Rohprodukt in gleichbleibender und natürlicher Qualität zu gewinnen wurden die bereits in der semi-wilden Seidenzüchtung tätigen lokalen Ureinwohner aktiviert. Diese „Seidenraupenzüchter“werden mit den Seidenraupen und dem nötigen Equipment, wie z.B. Schutznetzen gegen Fressfeinde ausgestattet und wachen in der Wildnis über das Aufwachsen der Raupen bis zur Verpuppung im Kokon. Die Aufzucht der Kokons findet auf natürliche Weise in den Wäldern Jahrkhands statt. Pestizide oder Insektizide findet man hier vergebens. Die Sammler bekommen faire Löhne und sind krankenversichert.

Die Kokons werden anschließend gesammelt zu einem Festpreis an die staatlichen Kokonbänke verkauft. Die Kokonbänke selbst lassen die weiblichen und männlichen Motten schlüpfen, sich paaren und sammeln die weiblichen Motten zum Eierlegen ein. Die Eier werden auf Krankheiten geprüft, konserviert und zum richtigen Zeitpunkt wiederum an die „Seidenraupenzüchter“ ausgegeben.

Die offenen Kokons werden in großen Räumen gesammelt und werden an die lokalen Projekte zur Seidenfadengewinnung verteilt. Hier arbeiten meist Frauen. Diese werden wie die Züchter mit dem nötigen Equipment und Werkzeugen ausgestattet, um den Seidenfaden zu gewinnen. Ein staatliches Trainingszentrum bereitet die Menschen auf ihre Tätigkeit vor. Auch hier gelten feste und faire Löhne, Krankenversicherungsschutz und ökologische Kriterien bei der Verarbeitung werden beachtet. Das Gewinnen des Seidenfadens geschieht auf traditionelle Art und Weise. Die Kokons werden ohne Chemikalien gekocht um den Seidenleim (Sericin) zu lösen. Anschließend wird der Faden abgesponnen und aufgehaspelt. Der Faden eines Kokons kann bis zu 1,5 Kilometer lang sein. Aus 1 Kilogramm Kokons gewinnt man ca. 250 Gramm Seidenfaden.

Die Haspeln mit den Seidenfäden werden anschließend wiederum von der Seidenkooperative an die lokalen Handweber verteilt. Die Weber arbeiten meist zu Hause. Sie richten die Designs gemäß den Vorgaben der Kooperative an ihren Webstühlen ein und bekommen ebenfalls feste Löhne und arbeiten unter fairen Bedingungen. Für das Weben von 100 Metern Tasar Seide benötigt ein Handweber ca. einen Monat. Das Ergebnis sind tolle naturbelassene Seiden in verschiedenen Qualitäten. Die Seide der indischen Kooperative wird gemäß des Global Organic Textile Standard (GOTS) in einer eigens ausgestatteten Färberei gefärbt und veredelt. Vorbildlich!

Indien fasziniert immer wieder durch seine Dynamik und seine Vielzahl an tollen Projekten die vormachen, dass eine andere Welt möglich ist, wenn man den Willen zeigt etwas zu ändern.

Wir hoffen, Euch gefällt unsere Rubrik und freuen uns zusammen mit den Lebenskleidungs-Jungs über spannende Diskussionen und zahlreiches Feedback von Euch! Beim letzten Mal wurde bereits intensiv über den Aspekt der Tierquälerei diskutiert, was ist Eure Meinung zum Thema?


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Beitrag von Anna

geschrieben am 10.05.2012 um 18:04 Uhr.

Kategorie: Trends & Styles

Über Anna

Anna ist Social-Media-Expertin, DIY-Fräulein und absolut Hundeverrückt. » Mehr von Anna

2 Kommentare

  1. Katrin (11.05.12 08:04 Uhr)

    “Aus 1 Kilogramm Kokons gewinnt man ca. 250 Gramm Seidenfaden.”
    Dazu eine Frage von mir: die Kokons sind ja sehr leicht. Wieviel Falterraupen sterben denn für 250g Seide?
    (dies ist keine rhetorische oder provozierende Frage, ich möchte es wirklich wissen)

  2. Sabine Oppenlander (12.05.12 11:32 Uhr)

    Also da steht ja “Die Kokonbänke selbst lassen die weiblichen und männlichen Motten schlüpfen, sich paaren und sammeln die weiblichen Motten zum Eierlegen ein”. Das ist das besonder an dieser Seide wenn ich das richtig verstehe. Tasar Seide is cruelty free?

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