Für Männer: Sag ja nicht nein! Und auch nicht vielleicht.

Demnächst, wenn es wieder wärmer wird und die Menschen sich wieder vermehrt und gerne draußen aufhalten, beginnt auch wieder die alljährliche Hochzeitssaison. Zahlenfetischisten und leicht Vergessliche werden sich dieses persönliche Großereignis zwar vielleicht für Mitte Dezember aufheben. Für die meisten anderen glücklich Verliebten wird dagegen ein Fotohintergrund mit strahlendem Himmelsblau und leuchtendem Sonnengelb die verlockendere Alternative darstellen.

Doch bevor man versucht, sich gegenseitig vor dem Altar bzw. dem Schreibtisch der Trauungs-Vollzugsbeamtin die Ringe über die schwitzigen Finger zu schieben, bedarf es in der Regel eines anderen entscheidenden Akts, der an sich ganz simpel und doch irgendwie ziemlich schwierig sein kann. Ich rede von dem kleinen Frage-Antwort-Spiel, bei dem grob gesagt nur Folgendes abläuft: Er so: “Und, willste?” und sie dann so: “Mhmm. O.k.”, woraufhin sich beide in wochen- und monatelange Zelebrierungsplanungen schmeißen und dabei auch schauen, ob man nicht doch noch das braune Oberschenkelmuttermal am sonst strahlend weißen Hochzeitskutschengaul überschminken lassen sollte. Schließlich soll ja alles perfekt sein für diesen einen Tag, andererseits halt irgendwie auch autenthisch bleiben. Hach, schwierig, schwierig!

Nee, ich übertreibe natürlich wieder einmal maßlos. Trotzdem möchte ich mich an dieser Stelle einmal eingehender mit der für zwei Menschen vielleicht wichtigsten Frage, wenn nicht im Leben, dann doch wenigstens in einem mehr oder weniger langen Lebensabschnitt, beschäftigen.

Zunächst einmal muss natürlich nicht unbedingt der Mann die Frau fragen, andersrum geht selbstverständlich auch. Wir leben ja schließlich in modernen Zeiten. Nichtsdestotrotz – da bin ich recht sicher – kann sich auch die tougheste und emanzipierteste Frau schwer von solchen jahrhundertealten, kulturellen Stützpfeilern trennen, die besagen, dass es Dinge gibt, die ein Mann tun muss und dass zu diesen Dingen eben auch gehört, den heiligen Akt der Fragestellung zu vollziehen.

Das Entscheidende bei der Bitte um ein Verlöbnis mit anschließender einvernehmlicher Ehelichung ist natürlich das Setting: Wann, wo und wie frage ich sie am besten?
Hier sind die Möglichkeiten mannigfach und hängen stark vom Geschmack und Stils des Fragenden ab, der aber vielleicht auch nicht ganz die Vorlieben seiner Liebsten aus den Augen verlieren sollte.

Der Klassiker ist vermutlich die romantische Variante: Man wählt einen lauen Sommerabend während des Mallorcaurlaubs und indes man gerade Hand in Hand durch die Cala romantica spaziert, den Sand zwischen den Zehen und die rosarote Abendsonne am Himmel, dreht er sich zu ihr um, blickt ihr tief in die Augen und beginnt seinen lange einstudierten Vortrag mit einem Resumée über die wundervollen, gemeinsam verbrachten letzten Jahren, bevor er sich leichtfüßig vor ihr in den Sand wirft und mit zittriger Stimme um ihre Hand anhält.
Die romantische Variante mag vielen als erste Wahl erscheinen. Doch Obacht! Der Grat zwischen Romantik und Kitsch ist schmal und allzu schnell schießt man über’s Ziel hinaus und kniet dann in einer Pfütze aus glänzendem Schmalz statt im Sand. Mein Problem mit Romantik ist zudem, dass man in Zeiten von Disneyfilmen, Hollywoodschmonzetten und daily soaps ständig das Gefühl hat, das alles schon mal irgendwann im Fernsehen gesehen zu haben. Und irgendwie ist dieser Gedanke nicht cool und sollte nichts mit Eurer Verlobung zutun haben.

Versuchen wir also mal einen etwas pragmatischeren Ansatz.
Für die eher praktisch Veranlagten unter Euch ist die Ehe wohl sowieso vornehmlich ein Relikt aus Großmutters Zeiten, dessen der moderne Mensch im Grunde nicht mehr wirklich bedarf. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, erscheint es natürlich völlig logisch, die Liebste mit den Worten “Schatz, ich war gerad bei unserem Steuerberater. Er meint, es wäre für uns günstiger, wenn wir heiraten würden. Was sagst Du?” nach ihrem Ja-Wort und vor allem der Unterschrift für die entsprechenden Formulare für’s Finanzamt zu fragen.
Andererseits könnte sich ein Verlöbnis aber auch noch aus ganz anderen, nicht minder praktischen Gründen, anbieten. Z.B. wenn der Ehemann in spe in gewisse, sagen wir mal, strafrechtlich relevante Konfliktsituationen geraten ist, in denen eine Freundin einfach nur eine gewöhnliche Zeugin ist, eine Verlobte hingegen eine mit umfänglichen Schweigerechten ausgestattete Zeugnisverweigerungsberechtigte.
Das schließt eine Liebeshochzeit ja schließlich auch nicht aus. Vielmehr gibt es ihr nur einen zusätzlichen positiven Nebeneffekt und sorgt gegebenenfalls nur für die Beschleunigung eines Prozesses (also nicht des gerichtlichen), der früher oder später eh stattgefunden hätte.

Gut. Eventuell sind so kaltschnäuzig dann doch die Wenigsten.
Es muss also auch noch eine Mitte geben, eine goldene quasi. Zwischen totallem Kitsch und totaller Leidenschaftslosigkeit besteht dabei natürlich eine gewisse Bandbreite. Darum will ich nur ganz kurz zwei Ideen einwerfen, die ich mir persönlich ganz nett vorstellen kann. Vielleicht sagen sie Euch ja ebenfalls zu.

Zum Einen wäre da die Variante des spontanen Antrags. Mit spontan meine ich dabei aber nicht den am Ende einer durchsoffenen Nacht stehenden und sogleich lauthals hinausposaunten Geistesblitz einer Heirat als einzig wahrem Liebesbeweis. Ich rede vielmehr von der ritterlichen Courage, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, sollte sich eine für beide Liebenden als perfekt empfundene Situation ergeben, um den sowieso schon lange durchdachten und beschlossenen Heiratswunsch entsprechend zu artikulieren. Denn manche Umstände kann man gar nicht so gut planen, wie der Zufall sie manchmal hervorbringt und wieso sollte man sie dann nicht einfach nutzen?
Mein anderer Vorschläg wäre die Variante des Überraschungsantrags. So manch eine Freundin mag zwar in so ziemlich jeder Lage von einem Antrag überrascht werden. Aber es gibt Situationen, in denen auch die ausgebuffteste Lebensgefährtin nie im Leben mit DER Frage gerechnet hätte.
Wie wäre es zum Bespiel mit einem kleinen Wanderausflug, obwohl sie Wandern gar nicht mag und den ganzen Tag so ein bisschen grummelig nebenher trottet? Und wenn Ihr dann Rast macht, nur Ihr zwei beiden und die aufblühende Naturkulisse, dann nutzt Ihr die Gunst der Stunde, um ihre Laune endlich gehörig aufzuhellen.
Könnte auch leicht ins Kitschige abgleiten? Stimmt. Deswegen solltet Ihr das unbedingt durchziehen, bevor die Sonne dieses abendliche Rosarot bekommt und am besten auch noch vorher alle süßen Rehe und Kaninchen von der Lichtung vertreiben. Denn schließlich möchte ja keiner, dass sie Euch antwortet mit: “Äh, was hast du gesagt? Sorry, ich musste gerade dieses niedliche Bambi da drüben anstarren.”

Nun, soviel dazu. Ich hoffe, ich konnte Euch wieder ordentlich Lebenshilfe mit auf den Weg geben und Ihr wisst jetzt, wie man SIE ES anständig fragt. Und macht Euch bloß keinen zu großen Stress mit der Hochzeitsplanung. Auch dass Eure esoterische Lebensberaterin Euch mit Vorgaben zum exakten, weil unter einem günstigen Stern stehenden, Trauungsort und -zeitpunkt terrorisiert, sollte Euch wirklich nicht weiter schocken. Denn denkt immer dran, was auch immer falsch läuft und daneben geht bei der Hochzeit, könnt Ihr ja einfach beim nächsten Mal dann besser machen.
In diesem Sinne. Gehabt Euch wohl.


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Beitrag von Benjamin Geisel

geschrieben am 20.04.2012 um 12:47 Uhr.

6 Kommentare

  1. Marina (21.04.12 15:11 Uhr)

    Hallo und SORRY wenn ich mal wieder klugsch. rüberkomme……..aber muss das erste Wort in dem Artikel nicht “demnächst” statt demnäßt heißen?
    LG

  2. Ben (21.04.12 19:50 Uhr)

    Huupsi. Ja, da hast Du natürlich sehr recht. Was für ein peinlicher Rechtschreibfehler. Hab’s geändert. Danke für den Hinweis :)

  3. sssnake (29.04.12 11:15 Uhr)

    Meine Freundin bzw. mittlerweile Verlobte, hat mich beim Abendessen gefragt.
    Sie hat es in eine Käsescheibe geritzt. Ist vielleicht nicht so spektakulär, aber für mich als guten Esser wars die perfekte situation. Ich hab natürlich geheult und sofort ja gesagt…

  4. Ben (02.05.12 14:18 Uhr)

    @sssnake: na, glückwunsch! witzige und offenbar passende idee. auf jeden fall originell :) find’s auch cool, dass sie den schritt gemacht hat!

  5. robert (29.04.13 21:54 Uhr)

    Ich glaube der entscheidende Punkt neben dem “wie” ist eher das “wann”. Und da gibt es sicherlich nur einen Rat. Es gibt nichts gutes außer “mann” tut es.

  6. Nathalie Long (14.10.13 23:36 Uhr)

    i love ll this in this article very

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