In Oktober 2011 haben wir Euch das Eigenwerk Magazin als Macher-Zentrale für tolle Produkte, Anleitungen, Buch-Tipps und spannende Inside-Reports vorgestellt. Seit gestern gibt es das Eigenwerk Magazin neben der E-Book Version auch als gedrucktes Heft im Handel zu kaufen. Wir haben es uns zum Anlass genommen das DIY-Magazin mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und sprachen mit den sympathischen Herausgebern Wiebke und Christian.
Liebe Wiebke, lieber Christian, bitte stellt Euch kurz vor.
Hallo, ich bin Christian, bin 34 Jahre alt und wohne in Bochum. Ich bin gelernter Medienfachwirt und Mediengestalter und habe ein Faible für Layouts und Typografie. Zur Zeit arbeite ich bei einem Verlag als Art Director.
Wiebke:
Ich heiße Wiebke und bin 27 Jahre alt. Gebürtig komme ich aus Düsseldorf, aber da Christian und ich im gleichen Bochumer Verlag arbeiten, hat es mich vor einiger Zeit ins Ruhrgebiet nach Bochum gezogen. Als gelernte Marketing-Kommunikationswirtin leite ich das B2B Marketing in besagtem Verlag.
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Wie kamt Ihr auf die Idee für das Eigenwerk Magazin?
Christian:
Die Idee hatte ich, als ich vor ca. drei Jahren bemerkte, das sich der Trend des Selbermachens immer mehr verbreitete. Überall begegneten mir auf einmal selbstgenähte Handytaschen und Schlüsselanhänger. Es gab plötzlich Designmärkte, die von jungen Leuten gemacht wurden. Handarbeit war auf einmal jung und modern und ich fand es toll! Da ich selber Nadel und Faden nur zur Hand nehme, um einen Knopf anzunähen, wollte ich mich trotzdem intensiver mit dem Thema auseinandersetzen. Und so kam ich auf die Idee, einen Blog darüber aufzuziehen. Dieser sollte in einem Magazin münden, so, wie es dann ja auch passiert ist. Ich habe Wiebke von meiner Idee erzählt, die mich nicht mehr losgelassen hat. Sie war sofort Feuer und Flamme und nach ein paar Nachmittagen mit Kaffee und Kuchen stand das Konzept. Seitdem arbeiten wir gemeinsam am Blog und am Magazin.
Wiebke:
Als Christian mir von der Blog-Idee erzählte, die ihn seit einiger Zeit beschäftigte und nicht mehr losließ, konnte ich seine Vision direkt teilen. Für mich war dieses Projekt so greifbar und so logisch, dass ich es schon sehen konnte, als es noch nicht mal einen Namen hatte. In diesem Moment haben Christian und ich bemerkt, dass wir in Bezug auf unser kreatives Selbstverständnis seelenverwandt sind. Da ich durch und durch Macherin bin, konnte ich mit dieser ungeborenen Idee im Hinterkopf nicht lange stillhalten und habe Christian an den Schreibtisch gezerrt. So bekam die Idee ein Konzept und das Baby einen Namen. Der Rest ist Geschichte.
Wodurch hebt Ihr das Eigenwerk von anderen DIY-Magazinen ab?
Das Eigenwerk-Magazin soll zum Nachmachen animieren. Daher wollen wir keine unglaublich komplizierten Mammut-Projekte vorstellen, sondern eher kleine Dinge, die leicht nachzumachen sind. Uns ist es dabei wichtig, dass wir die Leser zum Staunen bringen können. Sie sollen erkennen, welche Leistungen sie selber erbringen können. Und dass sie dazu weder eine perfekt ausgestattete Werkstatt noch teures Material benötigen. Daher stellen wir auch immer wieder “Macher” im Portrait vor, um den “Gründergeist” zu thematisieren. Es macht uns große Freude zu sehen, wie aus einer (vielleicht erst absurden) Idee, ein Konzept wird – daraus ein Projekt und schließlich vielleicht sogar ein eigenes Produkt. Es geht bei Eigenwerk nicht nur um ein selbst genähtes Täschchen, sondern darum, Ideen zu finden, kreativ zu werden und seine Gedanken in die Tat umzusetzen. Wir wollen diesen Funken auslösen.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Euch aus und was mögt Ihr an Eurem Job besonders?
Wir haben ja beide noch unseren festen Job und stemmen das Eigenwerk-Magazin komplett in unserer Freizeit. Das ist natürlich ziemlich stressig und oft bleibt nicht die nötige Zeit, die wir gerne hätten. Von daher gibt es keinen geregelten Arbeitsalltag. Was wir am Eigenwerken besonders lieben ist, dass wir uns mit den vielseitigen DIY-Projekten ständig neuen handwerklichen Herausforderungen stellen können und so viele talentierte und inspirierende Menschen kennen lernen dürfen.
Wie habt Ihr Eure kreative Ader entdeckt bzw. Euer Interesse für Selbstgemachtes?
Christian:
Meine Mama hat schon immer genäht und hat ihre Taschen, Schürzen und so weiter auch schon immer auf Märkten verkauft. Allerdings war mir das zu “angestaubt”. Als ich bei einem Besuch in Hamburg einen Laden entdeckt habe, der selbstgenähte Plüschtiere angeboten hat, fand ich die Idee super. Dann kamen innovative Märkte dazu, die ich besucht habe. Schnell habe ich bemerkt, dass mich zum Beispiel selbstgemachte Geschenke beeindruckt haben.Und dass auf einmal die Leute um mich herum wieder anfingen, sich mit Häkelnadeln und Wolle zu beschäftigen. Das fand ich irgendwie total spannend. Und so hat sich der Trend bei mir festgesetzt.
Wiebke:
Dadurch, dass ich 20 meiner 27 Lebensjahre aktive Pfadfinderin war, war meine gesamte Kindheit und Jugend sehr durch Selbermachen und Kreativität geprägt. Denn allen Klischees zu trotz machen Pfadfinder auch noch andere Dinge, als ins Zeltlager fahren. Bei uns in Deutschland gibt es ja auch eine sehr kalte Jahreszeit, in der Kinder beschäftigt werden wollen. Und da wird dann fleißig gewerkelt. Einer der wichtigsten Werte, der mir durch das Pfadfinder-Dasein vermittelt wurde ist: Große Ideen können mit Hilfe von Kreativität, Teamgeist und Improvisationstalent auch mit einfachsten Mitteln in die Tat umgesetzt werden.
Früher war das uncool, jetzt ist es Trend – das Pfadfindersein und das Selbermachen gleichermaßen. Für mich war DIY schon immer Lebenseinstellung.
Was war Euer erstes Eigenwerk?
Christian:
Mein erstes Eigenwerk ist sicher schon im Kindergarten entstanden und daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß nur, dass ich immer gerne mit Material gearbeitet habe und stolz auf das Ergebnis war. Als ich dann Kunst studierte, konnte ich in den Praxisseminaren noch mal neu meine Leidenschaft entdecken, etwas mit den Händen zu gestalten.
Wiebke:
Oh das ist eine schwere Frage… Wenn ich alle Kinderzeichnungen, Kartoffelstempel-Bilder und Kastanien-Männchen außer Acht lasse, dann muss mein erstes Eigenwerk wohl ein wild mit Stoffmalfarbe bepinseltes Pfadfinder-Halstuch gewesen sein.
Das Eigenwerk Magazin animiert viele Menschen dazu selbst mal wieder mit ihren Händen tätig zu sein. Warum ist es Euch so wichtig? Wieso sollte man selbst kreativ sein und etwas mit seinen eigenen Händen erschaffen?
Wenn man erst einmal ein Eigenwerk mit seinen eigenen Händen erschaffen hat, erkennt man, dass gekaufte Dinge – auch wenn sie sehr teuer waren – oft wertlos sind. Denn ihren echten Wert erhalten Dinge durch die Arbeit, Liebe und Zeit, die man ihnen widmet. Man lernt dabei, diese Dinge wieder wertzuschätzen und den Aufwand zu achten. Gerade in der heutigen Konsumgesellschaft kann einem dies völlig neue Perspektiven eröffnen. In jedem handgemachten Eigenwerk steckt Herzblut und ein Stück Persönlichkeit des Machers. Darum sind z. B. selbstgemachte Geschenke auch so etwas Besonderes.
Ihr gebt dem Leser Eures Magazins vielfältige Tipps und Anregungen fürs Selbermachen: Buchtipps, DIY-Anleitungen, Einkaufslisten, Produktvorstellungen, Rezepte, etc. Wo lasst Ihr Euch inspirieren, wo sammelt Ihr Eure Ideen und wo findet Ihr die Produkte?
Christian:
Die größte Inspirationsquelle ist natürlich das Internet. Hier wird man so überschwämmt mit tollen Ideen und Einfällen. Außerdem gibt es mittlerweile viele kleine Läden oder auch eigene Labels, die mich inspirieren.
Wiebke:
Genau! Und mit offenen Augen durch die Welt gehen. Inspiration liegt auf der Straße und fährt mit in der S-Bahn – man muss nur offen dafür sein und ein Notizbuch dabei haben.
Ihr ordnet die Ideen und Eigenwerke ihren Ursprungsmaterialien Stoff, Faden, Holz, Papier, Stein und Recycle zu. Welches Material gefällt Euch besonders?
Christian:
Da ich Grafiker bin, fühle ich mich besonders mit Papier verbunden. Dieses simple Material biete einfach so viele unglaubliche Möglichkeiten! Ich stehe auf Drucke, Grafiken und auch ganz besonders auf Papercuts und kleine Bausätze. Das hat mich schon als Kind fasziniert und Pop-up-Bücher blätter ich noch heute mit großen Augen!
Wiebke:
Auch bei mir ist es das Papier. Ich habe schon als Jugendliche Schuhkartons voller Zeitungsschnipsel gesammelt und daraus auf jede Oberfläche, die ich finden konnte Collagen geklebt. Seit einiger Zeit habe ich Scrapbooking für mich entdeckt und muss nun ständig mit dem Drang kämpfen, tonnenweise diese wunderbar gestalteten Papiere zu kaufen.
Es gibt bisher fünf Ausgaben des Eigenwerk-Magazins. Die Wedding-Ausgabe erscheint erstmals als Printausgabe. Welche Beiträge gefallen Euch besonders gut?
Christian:
Die sind alle toll! Es macht einfach unglaublich Freude, dass immer mehr Leute involviert sind. Spannend ist es auch immer wieder, wie ein Thema das nächste gibt. So kam es zum Beispiel bei dieser Ausgabe dazu, dass auf Interviewanfragen direkt noch weitere Kontakte geknüpft wurden. Und obwohl ich erst skeptisch bezüglich des Themas “Hochzeit” war, wurde mir doch schnell klar, dass es auch hier eine Menge gibt, was man ins Eigenwerk-Magazin bringen kann.
Wiebke:
Ich kann Christian nur zustimmen: Alle Artikel sind toll! Einen Favoriten kann ich zwar nicht benennen, aber an einen Beitrag habe ich eine besonders lustige Erinnerung. Für das Shooting zur Vintage-Wedding Fotostrecke habe ich meine Eltern mit Engelszungen dazu überredet, dass ihre antike Esszimmer-Garnitur in den Vorgarten räumen durfte. Natürlich konnte es nicht anders kommen: Als alles fertig dekoriert und gestylt war, fing es an zu regnen.
Was sind eure Ziele und was habt ihr für die Zukunft geplant?
Dieses Jahr wird es noch drei weitere Ausgaben des Eigenwerk-Magazins geben. Der große Erfolg lässt uns immer weiter wachsen und wir freuen uns, dass unsere Arbeit so gut ankommt. Daher ist für die nächste Zukunft ein Umbau unseres Blogs geplant und auf Dauer wollen wir natürlich das Eigenwerk-Magazin immer bekannter machen. Wunsch ist es, irgendwann auch mal am Kiosk verkauft zu werden.
Habt Ihr noch ein Schlusswort für die Welt?
Folge deinen Ideen. Und schiebe sie nicht auf morgen!
Ab jetzt gibt es die aktuelle gedruckte Ausgabe des Eigenwerk Magazins im DaWanda-Kiosk zu kaufen.
Lilian Domin (08.04.12 19:17 Uhr)
Ich habe gerade mit großer Begeisterung das Interview von euch gelesen.
Da kribbelt es einen so richtig in den Fingern und ich denke ich werde mir euer Heftchen bestellen.
Ich finde es toll dass ihr so ein Magazin auf die Beine gestellt habt.
Ich bin schon sehr drauf gespannt es in den Händen zu halten.
Ich wünsche euch weiter ganz viele Ideen und viele neue interessante Kontakte, damit immer wieder neue tolle Magazine entstehen können.
Ganz liebe Grüße Lilian
Stephanie (10.04.12 16:42 Uhr)
Ich bin schon total gespannt auf das Wedding-Heft, das ich letzte Woche schon bestellt hab, gleich nach dem ich es entdeckt habe. Da ich dieses Jahr selbst heirate und bereits vieles für das große Fest selbst gemacht und noch viele Ideen zu verwirklichen hab, bin ich immer richtig neugierig auf Eure tolle Ideen und Anregungen.
Macht weiter so und viel Glück!!!
Jutta Zahnen (15.04.12 18:34 Uhr)
Heute habe ich durch Zufall Euer Interview entdeckt und bin begeistert!
Schon beim Lesen entsteht die Motivation zu kreieren.
Mein Mann und ich wohnen seit letztem Jahr in Alaska und da ist Kreativität, Individualismus und Ideenreichtum täglich angesagt.
Ich selbst male und nähe seit Jahren, mein Mann tobt sich lieber in der Natur aus und bietet Outdoorfans geführte Erlebnistouren an.
Ich finde Eure Idee zum Magazin sehr schön, und bin gespannt darin zu blättern.
Viel Spass weiterhin und viel Erfolg Euch beiden.
Ganz herzliche Grüsse
Jutta und Rainer Zahnen
North Pole
Ps. ..und Euer Schlußwort passt auch zu uns wie Faust auf´s Auge…!