Für Männer: Ben’s Geschichte vom Baum

von am 23.12.2011 um 09:22 Uhr | Keine Kommentare | Jungs auf DaWanda

Zu Weihnachten geht es ja vor allem um Geschenke. Na ja, ein bisschen geht es vielleicht auch noch um das glückliche Kind, das zu seiner Geburt Weihrauch, Myrrhe und immerhin auch noch ein bisschen Gold geschenkt bekommen hat. Wobei wir  da eigentlich auch wieder bei Geschenken wären.

Daneben gibt es aber natürlich auch noch ein Weihnachten abseits der ganzen Schenkerei und zwar das der kleinen  und großen Familientraditionen und Weihnachtsgebräuche, die über die Jahre hinweg gepflegt und gehegt werden und sicher öfter auch ein Stück weit mitwachsen.
Deswegen will ich an dieser Stelle einmal die alljährlich wiederkehrende und weitverbreitete Tradition des Weihnachtsbaums ein wenig darstellen; versehen mit so einigen ganz persönlichen Nahbaumerfahrungen.

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Ohne Baum kein Weihnachtsfest. Das ist ganz klar. Und ein winziger Plastikbaum (“der nadelt wenigstens nicht”) ist keine Alternative! Was zählt, sind allein mannshohe Prachtbäume in perfekter symmetrischer Kegelform, die diesen herrlichen Geruch nach winterlichem Wald verströmen.
Natürlich besorgt man so einen Weihnachtsbaum erst am 23. Schließlich werden die Dinger ja auch jedes Jahr teurer und wer will schon so einem halsabschneiderischen Baumverkäufer die guten Dukaten einfach so in den Rachen werfen; und das für so n bisschen Nadeln am Stiel?! Dann doch lieber bis kurz vor Ultimo warten und auf den Schlussverkauf hoffen. Dumm nur, wenn auch der Baumverkäufer weiß, dass kein Baum auch keine Lösung ist und jede Familie am Weihnachtsabend einen Weihnachtsbaum zuhause stehen haben muss; irgendwo müssen ja schließlich die Geschenke drunter liegen können.

Unter Umständen sind die erschwinglichen Prachtbäume am Abend des 23. also schon aus und was dann daheim angeschleppt wird, kann man wohl nur als das hässliche Entlein unter den Tannenbäumen bezeichnen. Nur dass diese Ente leider gefällt wurde, bevor sie zu einem schönen Schwan heranwachsen konnte. Männer wie mein Vater lassen sich davon allerdings nicht abschrecken. Alles, was es für ihn braucht, um aus einem Pfui ein Hui zu zaubern, ist eine Bohrmaschine und ein paar extra Zweige, die man noch dem Baumverkäufer aus dem Kreuz geleiert hat und schon werden im Handumdrehen Mutter Naturs kleine und große Unzulänglichkeiten vergessen gemacht. Bis schließlich ein Baum im Wohnzimmer steht, der so einem großen Anlass wie dem Weihnachtsfest würdig erscheint.

Geschmückt wird bei uns zuhause traditionell am Vormittag des 24. (vorher wäre auch schwierig, so ganz ohne Baum). Während meine Mutter also über den dampfenden Töpfen des Weihnachtsbratens hängt, schmücken mein kleiner Bruder und ich den Baum. Jedenfalls war das früher so. Heute überlasse ich das ganz ihm. Es war mit der Zeit auch einfach zu anstrengend geworden, jedes Mal, wenn er kurz das Zimmer verließ, alle seine Anhänger und Verzierungen unauffällig wieder abzunehmen und am Boden der großen Weihnachtsdekokiste verschwinden zu lassen. Aber ich schwöre, es ging nicht anders. Er hat einfach nie mein Weihnachtsbaum-Schmückkonzept verstanden. Oder er wollte nicht und es war ihm egal. Zehnjährige können ja so schrecklich ignorant sein!

Im Laufe des Nachmittags ist dann aber auch diese Hürde auf dem Weg zum Heiligen Abend genommen und wir Kinder werden hoch geschickt, damit Mama und Papa die Geschenke unter dem Baum drapieren können.
Und irgendwann zwischen Geschenkpapieraufreißen, Geschenkeausprobieren und Weihnachtsbratenmampferei, wird sich dann noch mal in familiärer Eintracht vor dem Weihnachtsbaum aufgestellt, der nach seinem vollendeten total makeover nun in voller Pracht erstrahlt und es wird das allweihnachtsabendliche Familienfoto geschossen, um es dann, versehen mit ein paar lieben Worten, als E-Mail quasi in Echtzeit an die Verwandtschaft im Rest des Landes zu schicken. Wer das als gut gemeinte Geste familiärer Verbundenheit versteht, der hat aber nur zum Teil Recht. Denn ebenso kommt es auf die kurze Zeit später erfolgende, ebenfalls mit Foto bestückte Antwort an. Danach werden nämlich die beiden Familienpoträts nebeneinandergelegt und miteinander verglichen; und zwar die Bäume im Hintergrund.
Denn wie wir Männer wissen: Am Ende kommt es eben doch nur auf die Größe an!

Ich wünsche allen ein paar geruhsame Feiertage, einen fleißigen Weihnachtsmann und natürlichen einen fulminanten Rutsch ins Neue Jahr! Gehabt Euch wohl!



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