Im Interview: wechselwild

von am 19.12.2011 um 09:54 Uhr | Ein Kommentar | Interviews

Kreative Männer bitte vortreten. Hier kommen gleich zwei Exemplare – Sebastian und Edin vom Label wechselwild. Die beiden Hamburger hauen mit ihren außergewöhnlichen Gürtelschnallen und Trucker Hats kräftig auf den Putz und bringen Abwechslung und Farbe in den Alltag. Sebastian (links) ist der kreative Kopf des Gespanns – Edin (rechts) holt die abgehobenen Konzepte wieder auf den Boden zurück.

Erfahrt mehr darüber, wie die Idee zu wechselwild entstand, wie viel Wechselbilder jeder im Schnitt sammelt und was sich die beiden für ihre Zukunft wünschen. Freut Euch auf zwei coole Typen mit wertvollen Tipps im Gepäck: “Ein funktionierendes Netzwerk ist sehr wichtig und hilft nicht nur – es macht auch Spaß!”

Bitte stellt Euch kurz vor:
Sebastian:
Hallo, ich bin Sebastian und bin zusammen mit meinem Kumpel Edin seit 2009 wechselwild. Die Idee zu unserem Projekt entstand während meines Studiums zum Kommunikationsdesigner. Edin hatte BWL in Pforzheim studiert und war sofort Feuer und Flamme. Wir haben dann jeweils unser Diplom mit dem Thema bestritten und sind direkt im Anschluss an unser Studium durchgestartet. Nach vielen Anfangsschwierigkeiten und Kinderkrankheiten sind wir mittlerweile mit einem eigenen Ladengeschäft in St. Pauli gelandet.

Edin: Hallo, Edin hier – kennengelernt hatten wir uns im Praxissemester 2006 bei der Kreativschmiede Deutschlands (Jung von Matt). Nachdem wir beide wieder zurück im Studium waren, kam Sebastian mit der Idee um die Ecke. Nach einem Jahr drunter und drüber, sind wir in Hamburg gelandet. Den Rest kennt ihr ja.

Wie würdet Ihr Euren Stil beschreiben?
Sebastian: Das Produktkonzept ist derzeit weltweit einzigartig. Es gibt kaum ein anderes Produkt, das man selbst gestalten und jeden Tag auf´s Neue seinen Ansprüchen anpassen kann. Mein Stil, bzw. meine Stärke ist auf jeden Fall die konzeptionelle Arbeit.

Edin: Ich bin mehr der Logiker, meine Aufgabe ist es die abgehobenen Konzepte wieder auf den Boden zu holen und daraus ein umsetzbares Paket zu schnüren.

Wie habt Ihr Eure kreative Ader entdeckt und wer inspiriert Euch?
Sebastian:
Das hat sich langsam über die Jahre entwickelt. Angefangen hat alles mit einer Ausbildung zum Mediengestalter. Da man hier relativ selten wirklich kreativ arbeiten kann, war relativ schnell klar, dass ich der Ausbildung noch ein Studium anschließen muss. Inspiration hole ich mir aus dem Alltag, dem Internet, den vielen guten Gestaltern und anderen unglaublich inspirierenden Menschen wie Lebenskünstler, Straßenmusiker oder Streetart-Künstler.

Edin: Da ich der BWL-Part bin, ist es vielleicht ein wenig blasphemisch von meiner „Kreativen Ader“ zu sprechen, aber während meiner Oberstufenzeit hatte ich mich schon für Gestaltung- und Medientechnik entschieden. Die Zeit damals hat mich ziemlich geprägt. Während der Suche nach einem geeigneten Studium für mich, bin ich immer wieder über Designstudiengänge gestolpert. Letztendlich habe ich mich dagegen entschieden, da ich mir das unternehmerische Denken nicht nehmen lassen wollte.

Wie kommt Ihr auf die Ideen für neue Produkte?
Die Idee entstand ursprünglich während meines Studiums zum Kommunikationsdesigner. Wir sollten ein Produkt entwickeln, das es so noch nicht gab. Dazu sollte eine Kampagne gestaltet werden. Eigentlich hatte ich nur Lust auf die Kampagne – wechselwild war genau genommen „nur“ das Nebenprodukt.

In erster Linie benutzen wir Magnetfolie. Die anderen Elemente haben wir entworfen und lassen sie fertigen – sie werden lediglich bei uns konfektioniert. Aus persönlicher Überzeugung heraus, achten wir von Anfang an auf die Nachhaltigkeit unserer Produkte. So ist z.B. die Gürtelschnalle handgefertigt in Deutschland, die Sammelbox aus 100% Altpapier und die Wechselbilder fertigen wir selbst in St. Pauli!

Beschreibt kurz Euren kreativen Arbeitsprozess:
Der Prozess läuft eigentlich permanent – im Büro, in der Werkstatt wird meistens nur abgearbeitet. Die Ideen kommen unter der Dusche, vor dem Einschlafen oder beim Sport. Danach wird viel diskutiert, ab gewägt, gescribbelt und irgendwann, meistens mit einem noch etwas flauem Gefühl im Magen, umgesetzt.

Im Gegensatz zu den Anfängen hat sich der ganze Prozess aber doch sehr professionalisiert. Mittlerweile recherchieren wir zu jedem Ideenansatz und arbeiten viel intensiver an den jeweiligen Baustellen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Wer sind Eure Kunden und was ist Euer Verkaufsschlager?
Photoshop-Süchtige, Unentschlossene, Sammelwütige und Outfit-Perfektionisten. Durch die Wechselbilder kann man den Gürtel täglich zum Outfit abstimmen.

Da wir erst seit einigen Wochen unseren Trucker Hat im Programm haben, ist unser Verkaufsschlager natürlich der Ledergürtel. Mal abgesehen von den dazugehörigen Wechselbildern. Im Schnitt sammelt jeder Wechselwilde im Laufe der Zeit fünf Wechselbilder.

Tauscht Ihr Euch mit anderen Kreativen über Techniken, Tricks und Ideen aus?
Ständig! Zum einen sitzen wir hier auf Pauli mit Andy von denada – einem weltklasse Illustrator und mit Martin Oberhäuser, einem herausragenden Designer, zusammen mit denen wir uns permanent austauschen, wenn es um Designfragen geht.

Zum anderen haben wir viele tolle Designer auf den Messen wie Stijl, Holy Shit Shopping, Designer´s Open oder Dekumo kennengelernt, mit denen wir auch in mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt stehen. Außerdem sieht man sich jährlich auf den Veranstaltungen und trinkt dort auch gerne mal ein Bier zusammen.

Ein funktionierendes Netzwerk ist sehr wichtig und hilft nicht nur – es macht auch Spaß!

Nennt bitte Eure drei Lieblingsshops auf DaWanda:

  • Ken Panda: Habe ich persönlich beim Holy Shit Shopping in Köln kennengelernt und einen seiner kleinen Anzüge für meinen Junior gekauft. Super Typ, geile Schnitte und schöne Stoffe/Prints – was will man mehr?
  • Madeleine Accessoires: Auch Madeleine kenne ich persönlich. Ich find´s super wie sie mit wenigen Stilmitteln eine unglaubliche Variation in ihre Accessoires bringt. Natürlich trage ich selbst eher weniger Schmuck
  • Entar: Entar hat schon viele Artworks für unseren Gürtel gestaltet. Ich liebe seinen Illustrationsstil – er erinnert mich an Threadless. Aber eigentlich finde ich gerade seine abstrakten Arbeiten am stärksten.

Nennt uns Eure liebsten Orte im Netz:
Sebastian: Keiner will es zugeben, aber um ehrlich zu sein: Facebook. Wir haben natürlich auch unsere eigene wechselwild-Fanseite. Außerdem bin ich täglich bei Supertopic.de unterwegs und höre die Streams bei byte.fm oder klangextase.

Edin: Das mit Facebook stimmt schon, wobei das auch sehr nachgelassen hat. Ich bin eigentlich mal ganz froh, wenn ich Orte außerhalb des Netzes besuchen kann.

Wie bewahrt Ihr Euch ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit?
Sebastian:
Davon kann momentan noch nicht die Rede sein – den Luxus können wir uns im Moment noch nicht gönnen. Wir müssen regelmäßig Nachtschichten rocken oder am Wochenende ranklotzen.

Edin: So ist es leider – das Ziel ist, sich eben ein solches gesundes Gleichgewicht leisten zu können.

Welche Rolle spielt DaWanda für Eure kreative Tätigkeit
Es gibt unglaublich viele, kreative und handwerklich begabte Menschen. Dementsprechend gibt es auch viele schöne Produkte, die einen immer dazu antreiben Höchstleistungen zu bringen und keine Abstriche bei Qualität und Perfektionismus zu machen.

Sebastian: Allerdings bin ich persönlich von der Auswahl, wenn es z.B. um Weihnachtsgeschenke geht, schon etwas überfordert.

Welchen Ratschlag würdet Ihr jemanden geben, der vor hat seine kreativen Träume zu verwirklichen? Was würdet Ihr DaWanda-Neulingen raten?
Sebastian:
Machen! Ich würde mich mein Leben lang fragen was wohl aus der Idee geworden wäre, hätte ich sie nicht umgesetzt. Und – niemals aufgeben! Steine, oder gar Felsen auf dem Weg zur Tragfähigkeit der eigenen Sache sind normal. Man muss einfach durchhalten.

An die DaWanda-Neulinge: Auch hier gilt es durchzuhalten. Bei dem unglaublich vielfältigen Angebot bei DaWanda dauert es eine Zeit bis sich das eigene Produkt/Label „rumgesprochen“ hat. Dafür bietet DaWanda eine unglaublich günstige und einfache Möglichkeit zu testen, wie die eigenen Kreationen bei einer anspruchsvollen und designaffinen Zielgruppe ankommen. Wenn man auf Awareness setzt, sind die Logenplätze hilfreich, auch wenn sie sich anfangs nicht rechnen. Sehr wichtig ist auch die Präsentation der eigenen Produkte. Lieber etwas mehr Zeit in die Produktfotografie stecken und auch etwas experimentieren, um die optimale Präsentation herauszuarbeiten.

Nur noch fünf Tage und dann sind wieder Weihnachten, Familie, Festessen und Geschenke angesagt. Stichwort Weihnachtsfrust – Was würdet Ihr an Weihnachten ändern, wenn Ihr könntet?
Sebastian:
Also erstmal freut man sich natürlich auf Freizeit und Familie, aber ich könnte Weihnachten auch gut bei Sonne und am Meer verbringen.

Edin: Das zwanghafte Schenken, würde ich gern übers Jahr verteilen.

Verschenkt Ihr zu Weihnachten gerne selbstgemachte Dinge?
Sebastian:
Das Problem ist die Zeit. Die fehlt meist einfach für die meisten Ideen von denen ich überzeugt bin. Aber seitdem ich wechselwild mache, wurde natürlich jeder erst mal mit einem Gürtel ausgestattet. Jetzt finden sie natürlich auch immer mal wieder das ein oder andere Wechselbild im Geschenk – quasi selbstgemacht.

Edin: Wie gesagt, mit mehr Zeit würde man Geschenke auch öfter selbst machen, dafür haben wir aber wechselwild ins Leben gerufen.

2012: Habt Ihr besondere Vorsätze? Wie feiert Ihr ins neue Jahr?
Sebastian:
Mehr feiern, weniger arbeiten? Auf jeden Fall exzessiv

Edin: Bei weiniger Arbeiten bin ich dabei! Gefeiert wird zu Hause mit einem BBQ.

Wie seht Ihr Eure Zukunft, worauf dürfen wir uns noch freuen?
In Zukunft hoffen wir, dass wechselwild wirklich tragfähig wird und wir etwas besser davon leben können. Im Zuge dessen, wollen wir unser Produktportfolio stetig erweitern und endlich mal die eine oder andere Idee umsetzen, die schon seit langem in der Schublade wartet.

Demnächst kommt auf jeden Fall eine günstige Gürtelalternative mit Stoffband und kleinerer Gürtelschnalle. Im Anschluss wird es vermutlich eine Flexfit Cap geben.

Euer Schlusswort?
„Der Wechsel allein ist das Beständige.“ (Schopenhauer)

P.S.: Wenn Ihr auch im Montagsinterview vorgestellt werden möchtet, sendet bitte Euren ausführlich ausgefüllten Fragebogen an Anna unter interview@dawanda.com. PS. Fotos im Querformat nicht vergessen!



Ein Kommentar

  1. Susann (24.12.11 08:32 Uhr)

    Es spricht mir förmlich aus dem Herzen Euch zu sagen, dass die Seite einfach klasse hat! Jungs macht weiter so! Viel Erfolg! Gruß, Susann

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