Im Interview: gudbling, gudstav und OH JA OK

gudbling, gudstav und OH JA OK – man könnte meinen, wir wollen Euch schwedische Möbel präsentieren, aber nein, keineswegs. Diese Woche möchten wir Euch Christine vorstellen, sie steckt nämlich hinter diesen drei wunderbaren DaWanda-Shops. So wie letzte Woche bei uns der DaWanda Weihnachtsmarkt seine Pforten geöffnet hat, bereitet sich auch Christine langsam auf das Weihnachtsgeschäft vor. Sie plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen und gibt u.a. wertvolle Weihnachtstipps. Übrigens versteckt sich hinter gudbling zauberhafter Schmuck, beim Label gudstav gibt es gehäkelte Wohnaccessoires und im Shop OH JA OK verkauft Christine illustrierte Papierwaren. Liebe Christine, erzähl uns mehr von Dir, wir sind gespannt!

Bitte stell Dich kurz vor:
Hej, ich bin Christine, 33 Jahre alt und diplomierte Grafik-Designerin. Ich liebe Musik, Malerei und Improvisation. Wenn mich jemand fragt, was ich beruflich mache, sage ich gern: Ich häkel. Ich bin im Juli diesen Jahres, nach einer Phase des Pendelns zwischen Hamburg und Berlin, endgültig nach Berlin gezogen und habe am 22.10.2011 mit meiner Freundin Miriam ein eigenes Ladengeschäft namens „Liebling Neukölln“ in Berlin eröffnet.

Übst Du Deine Leidenschaft als Hobby oder als Gewerbe aus?
Ich habe den Schritt gewagt und versuche mit DaWanda, meinem Laden und ausgesuchten Märkten meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Da alles noch recht frisch ist, riskiere ich noch keine Prognose, ob mein Herzensplan aufgeht, aber der Anfang fühlt sich auf jeden Fall gut an. Ich habe auch schon zu einem früheren Zeitpunkt ein 50/50 Modell ausprobiert, also Teilzeit und Selbstständigkeit, aber festgestellt, dass Kreativität für mich kein Teilzeitmodell ist.

Welchen Beruf übst Du aus oder welchen hast Du einmal erlernt?
Ursprünglich habe ich Grafik-Design an der HAWK Hildesheim studiert, neben dem Studium habe ich bei einer Last-Minute-Reisebüro-Kette gearbeitet, als dann mein Studium vorbei war, bin ich nach Hamburg gegangen. Das war im Mai 2004 und die Jobangebote als Grafikerin waren zu dem Zeitpunkt mehr als bescheiden. Als Alternative blieb da immer noch das Reisebüro, das auch am Hamburger Flughafen vertreten ist. Die Arbeit dort war oft anstrengend, meistens hochspannend und ich hatte tolle Kollegen. Trotzdem wusste ich immer, dass ich nochmal was anderes machen wollte, aber es hat wohl die fünf Jahre gebraucht, um Erfahrung zu sammeln und Naivität zu verlieren, bis ich soweit war zu sagen, ich wage den Sprung in die Selbstständigkeit.

Du hast nicht einen, sondern gleich drei Shops. Wie ist es dazu gekommen und und wie managst Du diese?
Angefangen habe ich mit OH JA OK und illustrierten Papierwaren, was als Grafik-Designerin naheliegend ist. Ich hab allerdings schon immer gern mit Dingen experimentiert und mag mich nicht auf eine Sparte festlegen. Als ich dann im November 2010 im Urlaub in Portugal das Jerseybändchenmaterial entdeckt habe, wusste ich gleich, dass das eine neue Leidenschaft werden könnte. Gleichzeitig hatte ich für gudstav einen eigenen Shop für Wohnaccessoires eröffnet, der skandinavisch anmutet und weniger verspielt ist als meine Illustrationen.

Schmuck wiederum hatte ich auch schon in meinem OH JA OK-Shop, aber erst als ich ihn mit meinem gudstav Material verbunden habe, war da auf einmal ein Produkt, das Beachtung und mehr Nachfrage gefunden hat, was mich wiederum dazu verleitet hat immer mehr und Neues zu produzieren. Dabei ist in Anlehnung an gudstav gudbling entstanden und hat innerhalb kürzester Zeit einen so eigenen Charakter entwickelt, dass ein dritter Shop für mich unumgänglich war, auch weil ich persönlich zu große Shops oft unübersichtlich finde.

Natürlich bedeuten drei Shops, dass immer mal der eine oder andere zu kurz kommt, ich hoffe, dass meine Ladeneröffnung und die Verlagerung meiner Arbeitsstätte vom heimischen Wohnzimmer ins Atelier mir mehr strukturiertes und effektiveres Arbeiten ermöglicht.

Wie hast Du Deine kreative Ader entdeckt und wer inspiriert Dich? Hast Du Vorbilder im Bereich Design?
Meine kreative Ader war schon immer vorhanden und der Drang diese Auszuleben auch, allein den Mut diese auszuleben habe ich erst im letzten Jahr gefunden. Inspiration findet sich in Allem: Farben im Supermarkt, Musik, eine Stimmung, Natur, Museen. Ich bin ein großer Malerei Fan und lasse mich gern von Farbkombinationen inspirieren. Meine großen Helden sind beispielsweise Neo Rauch, Gerhard Richter, Daniel Richter, Olaf Hajek, Marlene Dumas, Luc Tuymans, Heiko Müller etc.

Wie kommst Du auf die Idee für neue Produkte und mit welchen Materialien arbeitest Du vornehmlich?
Ich mag arme Materialien, also Material, das durch die Verarbeitung an Bedeutung und Wert gewinnt, obwohl ich im Zuge meine Schmuckkollektion auch über edlere Materialien nachdenke. Ich nutze den Zufall und ein weißes Blatt Papier schreckt mich eher ab. Am tollsten finde ich es aus beschränkten Mittel das Beste rauszuholen und zu improvisieren. Das Material sagt mir, was ich mit ihm machen soll. Mein momentanes Lieblingsmaterial ist Baumwolljersey. Er ist wahnsinnig vielseitig und kann von sportlich bis elegant alles sein.

Beschreibe kurz Deinen kreativen Arbeitsprozess:
Mein Arbeitsprozess ist unabhängig vom Medium immer ähnlich. Ich habe mit Freude festgestellt, dass die Mechanismen in mir zum Beispiel beim Malen und Häkeln gleich sind und ich einen ähnlichen Grad der Versenkung erfahre. Vielleicht klingt das zu abgehoben, aber ich will mich und mein Inneres mit den Dingen die ich produziere ausdrücken. Dieser Prozess läuft überhaupt nicht kopflastig ab, ich kann vorher nie sagen, was hinten rauskommt und lasse mich von meinem Gefühl leiten, welche Materialien mit welchen wie verbunden werden wollen.


Wie wichtig ist Dir das Netzwerken mit anderen Kreativen?
Als ich noch am Flughafen in Hamburg gearbeitet habe, war ich immer beeindruckt von meiner Chefin, die so ziemlich Gott und die Welt kennt und für jede Lebenslage den passenden Kontakt hatte. So offen zu sein und mich damit auch öffentlich zu machen, erschien mir meilenweit entfernt. Seitdem ich allerdings tue, was ich von Herzen gern tue, stelle ich mit Verwunderung fest, wie gut ich im Netzwerken bin und wie leicht es mir fällt andere anzusprechen. Meine persönliche Formel fürs Netzwerken lautet: 80% der Dinge über die man sich austauscht kommen nicht zustande, aber das ist ok. Es geht mehr darum die 20% zu verwirklichen die naheliegend sind und ohne große Widerstände zu realisieren sind. Ansonsten habe ich in meinem Laden „Liebling Neukölln“ meine Kollegin und Mitstreiterin Miriam an meiner Seite, die ich jederzeit um Ihre Meinung bitten kann, auch wenn mir die nicht immer gefällt. Es ist schon wichtig auch andere Perspektiven auf den eigenen Prozess zuzulassen, da einem selbst oft Dinge als offensichtlich erscheinen, die ein Kunde vielleicht gar nicht sofort versteht.

Nenne uns Deine liebsten Orte im Netz:
Ich bin sehr internetaffin. Meine Freundin Miriam sagt, ich wäre ein regelrechter Junkie! Ich mag Facebook (ist zwar der Teufel, aber das ist als Informationsquelle unerlässlich), Pinterest, Photocase, ich liebe es mich durch Blogs treiben zu lassen, decor8, myloveforyou, Twitter, diverse Nachrichtenseiten, Google Analytics und natürlich DaWanda!

Welche Rolle spielt DaWanda für Deine kreative Tätigkeit und was hat sich für Dich verändert, seit dem Du Deinen DaWanda-Shop eröffnet hast?
DaWanda ist als Internetplattform für jeden zugänglich, aber die räumliche Nähe zu Euch, seitdem ich in Berlin wohne, ist spürbar. Ein Highlight war auf jeden Fall die Präsentation des Community Films im Direktorenhaus und der Handmade Brunch mit Maria Mena. Die Kontakte die ich gemacht habe, der Zuspruch und das Feedback sind unbezahlbar.


Du hast seit kurzem einen ‚echten‘ Laden in Berlin. Welchen Ratschlag würdest Du jemanden geben, der vor hat seine kreativen Träume zu verwirklichen?
Guck nicht zu sehr nach links und rechts, sondern hab den Mut Deine eigenen Ideen durchzusetzen. Habe keine Angst Deine Designs, Preise und Beschreibungen so lange zu ändern bis Du Dich damit gut fühlst (hab ich auf einem Blog gelesen und es hat mir persönlich sehr geholfen). Beteilige Dich am genialen Newcomer-Forum!

Die Eröffnung vom Laden ist ja noch nicht so lange her, da kann ich noch aus keinem reichen Erfahrungsschatz schöpfen. Die Entstehungsgeschichte hat ein lokales Blog sehr schön zusammengefasst. Ansonsten weiß ich jetzt, Hasendraht hilft bei Löchern in der Decke, viel kann zu viel sein und es ist OK wenn man ein Ziel hat, immer nur den nächsten Schritt im Auge zu haben. Ich habe kürzlich einen schönen Spruch gelesen: Nur wer Angst hat, kann auch mutig sein.

Nenne bitte Deine drei Lieblingsshops auf DaWanda und verrate uns warum Du sie so magst:

  • Hellicopter: Ich habe Helke noch nie getroffen, aber sie ist einfach wahnsinnig nett und Ihr Shop ist super süß.
  • alinea: Alinea hat einen ganz eigenen unverkennbaren Stil. Das bewundere ich.
  • makis: Makis Holzschnittportraits hauen mich einfach um.

Wann beginnt bei Dir im DaWanda-Shop Weihnachten und gibt es dann auch spezielle weihnachtliche Produkte?
So richtig vorbereitet bin ich auch dieses Jahr nicht, eigentlich war der Plan im September einen Kalender 2012 online zu stellen – offensichtlich ist das noch nicht passiert. Nehmt mich also bitte nicht als gutes Beispiel. Grundsätzlich kann man sagen, dass im Oktober Weihnachten beginnt und es ist ratsam ein möglichst klassisches Weihnachtsprodukt zu haben, das muss nicht direkt weihnachtlich aussehen, sich aber möglichst von der Tante, über Opa zum Cousin eignen. Ganz wichtig fürs Weihnachtsgeschäft ist, dass ihr immer genug Verpackungsmaterial auf Lage habt, möglichst früh die eigenen Geschenke besorgt sind und das Ihr Euch nicht verrückt machen lasst.

Auf was freust Du dich an Weihnachten besonders?
Ich freu mich am meisten auf das Weihnachtsfest mit meinen Eltern und meiner Schwester an der Ostsee mit langen Strandspaziergängen und Gesellschaftsspielen.

Wie siehst Du Deine Zukunft als Designerin? Worauf dürfen wir uns freuen?
Vielleicht einen vierten Shop? Produktpalettentechnisch stehe ich noch am Anfang und gerade gudstav und gudbling habe ich noch lange nicht ausgereizt. Meine Zukunft hat gerade angefangen mit meinem eigenen Laden und ich möchte in nächster Zeit meine Präsentation verfeinern und verbessern. Wenn ich es mir in ganz ferner Zukunft leisten kann, möchte ich mit Freundinnen an die Ostsee ziehen und den ganzen Tag nur Malen.

Dein Schlusswort?
Ich bin immer wieder entzückt, wenn ich tolles Feedback bekomme und was sich so an Nettigkeiten über kurze Nachrichten austauschen lässt. DaWanda-Kunden sind doch oft ausgesprochen reizende Menschen. Love ist the answer!

P.S.: Wenn Ihr auch im Montagsinterview vorgestellt werden möchtet, sendet bitte Euren ausführlich ausgefüllten Fragebogen an Anna unter interview@dawanda.com. PS. Fotos nicht vergessen!


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Beitrag von Anja Paul

geschrieben am 07.11.2011 um 10:46 Uhr.

Kategorie: Interviews

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2 Kommentare

  1. Helke (07.11.11 18:40 Uhr)

    Was für ein wunderbares Interview!
    und wie ich mich freue, zu deinen Lieblingsshops zu gehören :)

    Alles liebe, helke

  2. gudbling bei dawanda | fashionattitude (28.03.12 16:06 Uhr)

    […] Als ich dann noch das Interview von Christine gelesen habe, war ich hin und weg. Man merkt, dass sie alles mit Herz macht und Kreativität für sie nicht nur eine dahergesagte Floskel ist. Das Intervier mit der symphatischen Christine könnt ihr hier lesen. […]

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