Ihr kennt bestimmt Suse und Ihr Bio-Spielzeuglabel RevoluZza oder? Suse legt sehr viel Wert auf einen nachhaltigen Lebensstil und war für uns die perfekte Ansprechpartnerin, als wir für unseren Mütter-Monat jemanden suchen, der über seine Erfahrungen mit Kindern und Biostoffen sprechen wollte. Suse berichtet über ihre veränderte Perspektive als Mutter, über Bio-Siegel und Zertifikate, über ökologische Kinderlabel und das Selbermachen mit Biostoffen. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!
Mama werden/sein = Perspektivenwechsel.
Aus Gesprächen mit anderen Mamas, weiß ich, dass es vielen so ging wie mir: Als man schwanger wurde – änderte sich fast alles.
Insbesondere der Blickwinkel auf die Welt, die direkte Umgebung, die eigene Ernährung, das Verhalten allgemein.
Als das Kind dann geboren war – kamen noch einmal eine Menge Aspekte hinzu: Als das Kind anfing Breie zu essen, zu laufen, in den Kindergarten kam, die Schule…
Viele von uns betraten zum ersten Mal einen Bio-Laden, weil man sich während der Schwangerschaft bewusst wurde, wie wichtig und einflussreich die richtige Ernährung ist. Suchten zum ersten Mal im Internet nach Bio-Kleidung, weil man plötzlich verstand, dass der kleine Babykörper so eine sensible, zarte Haut hat, die Giftstoffen besser nicht ausgesetzt werden sollte.
Plötzlich ist man nicht mehr willens, Dinge hinzunehmen, ohne sie zu hinterfragen. Man beginnt sich zu fragen, wem man denn da beim „Textilen Vertrauen“ sein Vertrauen schenkt und was Zertifikate wie Öko-Tex 100 und co wirklich wert sind. Skandale um Unternehmen wie H&M, Tchibo und Co., denen normale Baumwolle als Bio-Baumwolle verkauft wurde und die diese so auch an die Kunden weitergaben, verunsichern.
Bio oder nicht-bio? Verloren im Öko-Bio-Siegel-Wald.
Kann man sich denn wirklich sicher sein, dass die als bio gekennzeichneten Produkte, für die man ja in der Regel auch mehr ausgibt als für konventionelle, wirklich halten, was sie versprechen? Und was ist bio eigentlich? Reicht es aus, wenn man Baumwolle aus biologischem Anbau im Kaufhaus kauft? Sind die Sachen dann auch speziell gefärbt? Und wie steht es denn eigentlich mit Fair Trade bei diesen Sachen? Ist bio auch gleich Fair Trade? (denn ganz vielen Mamas geht es hier wieder ebenso wie mir: Wer möchte schon, dass die Kinderkleidung und Spielsachen in Ausbeuter-Betrieben und im schlimmsten Falle sogar mit Kinderarbeit hergestellt wurden!)
Zunächst einmal gilt auch bei Bio-Sachen: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – und so manches Siegel scheint mehr zu versprechen, als es eigentlich hält. Wer es ernst meint, dem kann das „Textile Vertrauen“ bei Öko-Tex100 ganz eindeutig nicht ausreichen. Dieses Siegel wird zwar oft als „öko“ oder sogar „bio“ bezeichnet – ist aber in der Realität ganz weit davon entfernt. Im Grunde genommen sollte Öko-Tex 100 lediglich als allgemeiner Grundstandard konventioneller Produkte gelten, der anzeigt, dass Textilien nicht schwer gesundheitsgefährdend sind. Mehr nicht.
Und so wundert es einen dann auch nicht, wenn man sogar bei KIK und Co. Textilien mit diesem Zertifikat findet. Öko-Tex 100 erlaubt explizit verschiedene Schadstoffe – sogar in der Produktklasse 1, die für Babyartikel zuständig ist. Dabei handelt es sich u.a. um Chlorbleiche, chemische Ausrüstungen, Pestizide, Schwermetalle usw. Außerdem untersucht es weder die Arbeitsbedingungen in Herstellerländern, noch Öko-Bilanzen, ökologisches Umfeld usw.
Aber es gibt Label und Zertifikate, die wirklich aussagekräftig sind und denen man vertrauen kann.
Dazu gehören u.a.:
- kbA: kontrolliert biologischer Anbau. Das ist zu mindestens erst mal der kleinste gemeinsame Nenner: kbA darf man seine Baumwolle nach einer dreijährigen Umstellungsphase auf Bio-Baumwollanbau nennen, eine unabhängige Zertifizierungsorganisation kontrolliert die Betriebe jährlich. Soziale Mindeststandards usw. sind nicht enthalten.
- GOTS: der Global Organic Textile Standard, stellt hohe Ansprüche, strenge Kriterien und Kontrollen, Produkte müssen je nach Grad 70 – 95% Biofasern enthalten, strikte Regeln bei der Behandlung der Textilien, klare soziale Mindeststandards und Kontrollen in den Produktionsstätten
- FairTrade (FLO): seit 2007 auch im Textil-Bereich tätig, kontrolliert soziale Mindeststandards und umweltfreundliche Produktion
Bio-Kinderkleidung bei DaWanda.
Auch bei DaWanda gibt es einige großartige Produzenten von Bio-Produkten, die ganz und gar empfehlenswert sind. Unsere Kinder lieben z.B. die knalligen T-Shirts von Batata, die romantischen Kleidchen von CharLe und die Wohlfühlmode von Loudplusproud.
Allerdings werden bei uns natürlich viele Klamotten selbst genäht, so trägt meine Tochter fast ausschließlich Kleider aus eigener Produktion. Die Stoffe hierfür – und für mein eigenes Bio-Spielzeuglabel RevoluzZza – finde ich zum größten Teil bei Siebenblau, Volksfaden und Lebenskleidung. Bei Lebenskleidung lasse ich momentan meine erste eigene kleine Stoffkollektion produzieren: Aus Biobaumwolle, die in der Sonne gebleicht und mit Salz auf die Färbung vorbereitet wurde – und dann mit reinen Naturfarben (u.a. Färbekrapp, Haritaki, Gerberakazie, Zwiebel, Indigo, Kurkuma und Granatapfel) gefärbt werden. Selbstverständlich GOTS-zertifiziert. Das ist nach meinen Vorstellungen das Nonplusultra eines Biostoffes, der für Kinderhaut und Kinderhände geeignet ist. Aber es gibt natürlich noch diverse sehr gute Alternativen, die nicht so weit gehen.
Selbermachen ist Trumpf.
Selbermachen macht ja nicht nur jede Menge Spaß. Bei den selbstgemachten Sachen weiß man – wenn man zertifizierte Stoffe und Materialien verwendet – auch wirklich, was in den Sachen drin ist. Und wie sie verarbeitet wurden. Deshalb kann ich jede/n nur ermuntern, wieder selber zu nähen – so wie unsere Großmütter und Urgroßmütter es schon machten. Kann ich nicht – gibt’s nicht. Das kann jeder lernen. Ich gebe regelmäßig Workshops, in denen Teilnehmer mit unterschiedlichem Grundwissen Spielzeuge für die Kinder, Freunde oder sich zur Deko selber nähen – und ich bin jedes Mal selbst von der Begeisterung angesteckt, die die Teilnehmer am Selbermachen und schließlich am geschaffenen Produkt haben. Natürlich: Es kostet Zeit – aber das Ergebnis ist unbezahlbar.
In meinem Shop findet Ihr bisher zwei Tutorials zum Puppen selber nähen – und demnächst für ein „Reste-Kleidchen“, das Ihr auch mit geringem Vorwissen aus Stoffresten nähen könnt.
Und wer doch nicht selber nähen mag:
Eine sehr gute Liste bezüglich Bio-Kleidung bietet die bekannte Aufklärerin und Aktivistin im Bereich Bio-Mode Dr. Kirsten Brodde.
Liebe Suse, wir bedanken uns ganz herzlich für diesen ausführlichen Bericht und danken für die Aufklärung. Was meint Ihr zum Thema Nachhaltkeit und Kinder? Verwendet Ihr Biostoffe für ihre Designs?
PS. Ab Juni werden wir Euch in Kooperation mit Lebenskleidung jeden Monat ein Ökosiegel näherbringen und über viele weitere Themen aus dem Bereich grüne Mode berichten. Seid gespannt auf unseren “Grünen Donnerstag”!
mamizeit (30.05.11 11:17 Uhr)
Freue mich sehr über diesen Artikel, denn in der Tat besteht auf dem Bio Kleidungssektor noch eine Menge Nachholbedarf. Immerhin sind Kleidungsstücke aus BioBaumwolle heute auch tragbar, wenn ich da an früher denke…;) wie gesagt: freue mich sehr über den Artikel und alles Gute für die neue Stoffkollektion!
yoeoe (30.05.11 11:42 Uhr)
Super Sache! Danke für den Artikel. Auch ich habe auf DAWANDA einen Shop in dem ich … hoffentlich bald mehr Fairtrade-Biobaumwoll-Kinderkleider verkaufe. Bin fleissig am nähen!
BlumenwieseDesign (31.05.11 09:58 Uhr)
Dankeschön für die ausführlichen Infos, vor allem zu den unterschiedlichen Zertifikaten und Stoff-Shopping Tipps. Manches war mir bekannt, manches neu – die Thematik finde ich wichtig, und es gibt mittlerweile wirklich tolle kbA Stoffe (erfreut und erleichtert habe ich festgestellt, dass die meisten von mir verwendeten kbA Stoffe ebenfalls GOTS zertifiziert sind).
Ein Shopping Tipp wäre ergänzend noch das Meterwerk. Dort bekommt man die einzelnen Standards zu jedem Stoff separat in übersichtlicher Tabellenform präsentiert – sehr transparent.
Und vom DaWanda Shop Stoffoutlet habe ich mir die Kopie des IVN-Zertifikats mitschicken lassen, dass deren Bio-Stoffe aus eigener Herstellung ebenfalls GOTS entsprechen.
Liebe Grüße,
Ramona
DaWanda – People and Products with Love — Grüner Donnerstag: Lebenskleidung (07.07.11 18:06 Uhr)
[...] unseres Familienmonats im Mai haben wir es schon angekündigt und jetzt ist es endlich soweit: Heute startet der Grüne Donnerstag in Kooperation mit [...]
Sandy (01.04.13 17:15 Uhr)
Auch wenn man mittlerweile viele interessante Spielzeuge kaufen kann, die auch unser Bedürfnis nach ökologisch nachhaltigen Spielzeug erfüllen, bauen bzw. basteln wir immer noch selbst gern. Kürzlich haben wir erst kürzlich folgendes HABA HolzsteckspieL nachgebaut.
http://motorikspiel.de/motorikspielzeug/holzsteckspiel/holzsteckspiel-haba
Das hat sowohl den Kindern als uns Erwachsenen viele Spaß gemacht.