Im Interview: Selda

von am 28.03.2011 um 12:20 Uhr | Ein Kommentar | Interviews

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Sie heißen Minna, Lotte, Bruno und Trine und blicken uns neugierig mit wachen Augen an. Ihre roten Wangen leuchten und sie tragen brav Mittelscheitel und Zöpfe. Mutter all dieser Figuren ist Illustratorin Selda aus Münster. Ihr habt ihre wunderbar altmodischen Illus bestimmt schon einmal zwischen Buch- und Zeitschriftendeckeln oder auf einem Plakat gesehen. In ihrem Shop Sweets for my Sweet verkauft die kreative Designerin großartigen Schmuck, Postkarten, Porzellanteller und Bastelbögen – alle mit ihren unverwechselbaren Illustrationen. Folgt uns in die Welt von Minna, Lotte, Bruno, Trine und vielen weiteren Charakteren und erfahrt mehr über Selda und ihre Arbeit.

Bitte stell Dich kurz vor:
Mein Name ist Selda Marlin Soganci. Ich bin Illustratorin und freie Grafikerin und lebe und arbeite seit dem Abschluss meines Grafik-Design-Studiums in Münster – einer kuscheligen Studentenstadt, von der man gemeinhin sagt, dass es da entweder immer nur regnet oder die Kirchenglocken läuten.
Nun ja, beides kann ich bestätigen: Ich wohne mit meinem Freund genau gegenüber einer Kirche, so dass ich das Läuten insofern nie mehr verpassen kann. Regen gibt´s tatsächlich viel, aber dagegen habe ich inzwischen gelernt mich gut zu wappnen (weiß eigentlich überhaupt jemand außerhalb von Münster was „Rain Legs“ sind?… Phantastische Erfindung!). Wenn es mal wirklich wieder so ist, wie alle behaupten, ist das sowieso der perfekte Tag um sich im Atelier zum Zeichnen „einzumuckeln“.

Wie hast Du deine kreative Ader entdeckt?
Offenbar schon sehr früh. Meine Eltern erzählen immer wieder gerne, wie gut man mich schon als Kleinkind mit Stiften und Papier ruhig stellen konnte. Ich habe auch gerne als Kind meine eigenen Kinderbücher verschönert und durch Zeichnungen… nun ja, „ergänzt“. Wenn ich mir die als Erwachsene ansehe, finde ich das sehr lustig.

Ich habe das Glück, mich als Illustratorin in vielen verschiedenen Bereichen bewegen zu können. Es wird insofern nie langweilig: mal zeichne ich ein Bilderbuch, dazwischen entwickele ich eine Reihe neuer Schmuckstücke, dann wieder arbeite ich für Magazine und Zeitschriften oder für´s Kindertheater und gestalte Bühnenbilder und Plakate. Manchmal verlasse ich auch meinen Zeichentisch und gehe auf Lesereise oder „workshoppe“ Kinder und Erwachsene. Es ist großartig, dass ich mich so immer wieder neu ausprobieren kann.

Woher beziehst Du Deine Inspiration?
Aus allem und jedem… ich bin da wohl ganz „wahllos“.
Ich muss weder unbedingt in einer bestimmten Stimmung sein noch etwas ganz Besonderes sehen um „anzuspringen“. Texte sind natürlich eine große Inspiration – wie kann´s auch anders sein bei einer Illustratorin. Oft sind es auch die kleinen Dinge des Alltags, die mir auffallen, die mich zum Lachen bringen oder mich einfach nur verwundern. Dann geht das Kopfkino auch schon los und die Ideen purzeln.
Vorwiegend das tägliche Leben mit seinen kleinen und großen Glücks- und Unglücksmomenten ist Inspiration genug. Es gibt doch nichts Spannenderes!
Die kleinen Missgeschicke des Alltags, die im täglichen Umgang miteinander entstehen, die urkomisch sein können, aber manchmal auch ein wenig traurig machen können. Blauer Himmel. Musik, ganz laute und auch leise – gut muss sie natürlich sein.
Und: Büüüücher!

Wie kamst Du auf die Idee für die Produkte in Deinem DaWanda-Shop?
Ich mochte schon immer die Vorstellung, dass meine Zeichnungen nicht nur zwischen Buchdeckeln bleiben sondern meine Leser auch im täglichen Alltag begleiten und von ihnen „spazierengeführt“ werden. So probiere ich also manchmal spontan, nachdem eine Zeichnung fertiggestellt ist, sie noch in einen anderen Zusammenhang zu setzen.
Das macht mir großen Spaß und bringt mich immer wieder dazu, etwas Neues auszuprobieren und neue Produkte zu entwickeln.
Ob dann mein Lätzchen zeitgleich mit dem Baby, das es trägt, „Hunger! Hunger!“ schreit oder meine gezeichneten roten Lieblingsschuhe (im „echten Leben“ waren die für mich bisher leider nirgends aufzutreiben) als Anhänger und Talisman um den Hals baumeln. Alles, was gefällt ist schön und schön ist auch, wenn es anderen genauso Freude macht.

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Hast Du Vorbilder im Bereich Design?
Direkte Vorbilder habe ich keine, aber es gibt immer wieder so tolle Arbeiten von unglaublich talentierten Leuten! 
Über solche zu stolpern – nicht zuletzt auch durch ein Portal wie DaWanda – ist eine echte Bereicherung, macht mich richtig glücklich und verursacht bei mir in Abständen arg begeistertes Herzklopfen.

Mit welchen Materialien arbeitest Du hauptsächlich bei der Herstellung Deiner Produkte?
Die Produkte, die ich für meinen kleinen  Shop entwickle, können eigentlich aus nahezu allen Materialien sein. Ob Metall, Textilien, Papier etc… ich probiere gerne Neues aus und experimentiere oft sehr lange, bis das, was ich da entworfen habe, wirklich funktioniert und für mich stimmig ist. Dass dabei auch mal was schief geht und nicht auf Anhieb klappt, gehört für mich inzwischen mit dazu, so what! Da muss man einfach dranbleiben.

Beschreibe bitte kurz Deinen kreativen Arbeitsprozess:
Grundlage der Dinge, die ich in meinem DaWanda-Shop anbiete, sind ja zunächst immer meine Zeichnungen und Illustrationen.
Sie entstehen nicht auf Papier sondern auf Holzplatten – in der Regel Fichtenleimholz oder auch Sperrholz – eine für viele zunächst eher ungewöhnliche Verbindung. Dieser besondere Zeichenuntergrund wirkt schon durch seine Holzmaserung sehr lebendig und warm, was mir immer schon gut gefallen hat. Man erkennt Unebenheiten des Holzes durch die Farbschichten hindurch, Astlöcher und andere Macken im Holz werden zu kleinen Unregelmäßigkeiten in der Haut meiner Figuren, zu Pickelchen, Schrammen u.ä. Nobody is perfect!
Die kleinen Macken machen ja auch uns Menschen erst unverwechselbar und liebenswert. Für meine Zeichnungen würde ich mir dasselbe wünschen. Das Arbeiten auf Holz bietet mir zudem jede Menge gestalterischen Freiraum, so dass ich mich nicht gleich während des Zeichnens entscheiden muss, ob eine zweidimensionale Zeichnung wirklich einfach „nur“ ein Bild bleibt, das man sich letztendlich an die Wand hängen kann, oder ob es vielleicht sogar zu einem dreidimensionalen Objekt oder einer Szenerie werden kann. Ich säge manchmal Formen und Figuren aus, verbinde sie mit anderen Teilen neu und erweitere sie somit. Das spielerische Element ist es, das mich daran immer schon gereizt hat.

Was zeichnet Deinen Stil aus?
Das ist eine Frage, die ich manchmal gestellt bekomme, die mir aber wirklich schwer fällt, sie selbst zu beantworten. Mein Stil ist sicher eher verspielt und detailverliebt, vielleicht auch etwas skurril und auf den ersten Blick irgendwie altmodisch… so etwas mag ich einfach und das spiegelt sich dann eben auch in meiner Arbeit wieder.
Vielleicht sind meine Produkte insofern also geprägt von meiner Art, die Dinge zu sehen – natürlich auch von den speziellen Zeichenmaterialien, die ich verwende. Meine Zeichnungen scheinen für viele -  wenn auch nicht unverkennbar, dann zumindest – erkennbar „meins“ zu sein. 
Darüber freue ich mich. Es ist schön, wenn meine Arbeiten in der Fülle von Illustrationen von dem einen oder anderen immer mal wieder gefunden, (wieder)entdeckt und lieb gehabt werden!

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Wer sind deine Kunden?
Oft sind es Leser meiner Bücher, Freunde meiner Zeichnungen.
Ich schätze mal, meine Kunden sind sicher auch ein wenig wie ich. Sie sind oft (noch) klein oder zumindest im Herzen „klein“ geblieben. 
Vielleicht mögen sie aber auch wie ich einfach die kleinen Dinge, die so schön am Kleinsein sind? Vielleicht sind sie manchmal sogar ein bisschen merkwürdig oder auch albern – so wie ich auch. Und sie sehen oft sogar so aus, wirklich wahr! Mir sind im „wirklichen Leben“ schon leibhaftige Doppelgänger meiner fiktiven Kinderporträts Minna, Lotte und Co. Begegnet – echt verrückt.

Welche Rolle spielt DaWanda für Deine kreative Tätigkeit?
Es ist eine wunderbare Möglichkeit, seine Arbeiten einem breiten Publikum vorzustellen und sehr schnell unmittelbares Feedback darauf zu bekommen.
Was das Büchermachen angeht, kann ich die Freude und Begeisterung meiner Leser ja nicht unbedingt so „hautnah“ miterleben und Anteil daran nehmen – es sei denn, ich würde mich in Bibliotheken oder Buchhandlungen zwischen den Regalen auf die Lauer legen ;-) Da ist DaWanda schon praktischer.

DaWanda sorgt für ganz praktische Anregungen. Gute Ideen. Und in meinem Fall auch oft für Verbesserungen von Ideen, die ich anfangs für gut hielt. Der Austausch mit anderen ist ebenfalls wichtig. Auch wenn viele von uns ja oft gestalterische „Einzeltäter“ sind und vieles ganz alleine angehen, finde ich es doch umso wichtiger zu erkennen, dass wir in der großen „visuellen, gestalterischen Nudelsuppe“ nicht alleine hocken (womöglich sogar eher wie in einem Haifischbecken?…welch’ furchtbare Vorstellung!), dass wir uns austauschen, anderen unsere Erfahrungen mitteilen und uns gegenseitig unterstützen.
Mir hilft das sehr, meine eigene Arbeit immer wieder auch zu hinterfragen, zu erkennen, wo ich stehe und wo ich damit hin will.

Ist Dir auf DaWanda schon einmal etwas Ungewöhnliches passiert?

Oft melden sich Leser meiner Bücher, die meine Illustrationen erkennen und mögen und dann zufällig entdecken, was ich außer Buchillustrationen noch so mache. Die Fanpost, die ich über DaWanda bekomme, ist wirklich toll – und ich selbst werde selbstverständlich bei DaWanda auch in regelmäßigen Abständen immer wieder mit Haut und Haaren selbst zum Fan.

Wirklich verrückte Dinge sind mir noch nicht passiert, gefreut habe ich mich aber wie ein Schneekönig, als ich den tollen Shop der Musikerin einer meiner absoluten Lieblingsbands entdeckt habe. Da war ich dann wieder mal ganz „Fan“ und habe sie auch mal angeschrieben.
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Was rätst Du Designern, die neu auf DaWanda sind?

Macht nur das, was euch Euch wirklich entspricht und wichtig ist. Kommunizieren ist sehr wichtig. Und: Schielt nicht zu sehr nach Trends.

Nenne bitte Deine drei Lieblingshops auf DaWanda:
Nur drei? Das ist ja gemein und eigentlich viel zu wenig…

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- porzellanke
- softmachines

Wie siehst du deine Zukunft als Designerin?
Ich nehme mal an, es bleibt spannend! Es gibt da so einen Spruch aus meiner fränkischen Heimat, an den ich bei der Frage denken muss: Mer hat´s net leicht, aber leicht hat´s einen! ;-)
Das ist sicher so, schockt mich aber nicht wirklich, sondern ist vielmehr Antrieb und Inspiration für alles, was bisher passiert ist und noch kommen soll.
Ich würde mir wünschen, dass ich mich auch in Zukunft nach wie vor in vielen unterschiedlichen gestalterischen Bereichen „austoben“ darf. Wenn sich zudem meine finanzielle Situation noch dahingehend weiter entspannen würde, dass ich endlich mal meinen heissgeliebten, aber leider motorgeschädigten 2CV wiederbeleben könnte, wär´s einfach nur ein Traum.

Dein Schlusswort?
Eiderdaus… schon Schluss? Dann mal schnell los und SELBERMACHEN!

P.S.: Wenn Du auch im Montagsinterview vorgestellt werden möchtest, sende bitte Deinen ausgefüllten Fragebogen an Anna unter interview@dawanda.com.



Ein Kommentar

  1. kreawusel (29.03.11 07:50 Uhr)

    Sehr symptatisch!
    viel Freude weiterhin…

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