
Guten SiebenMorgen! Wir freuen uns ganz besonders, dass uns im heutigen Interview Druckgrafikerin Tinee Häcker von SiebenMorgen Rede und Antwort steht. Vögel, Rehe, Eisbären und Co. tummeln sich auf Postkarten, Geschenkanhängern, Notizbüchlein, Sticker und viele weiteren handgedruckten Unikaten aus Papier. Wir können die Druckerschwärze aus Tinees Druckwerkstatt förmlich riechen. Wenn Ihr wissen wollt, wie die Stuttgarterin zum Drucken kam und wie die wunderbaren Papierkleinode entstehen, weiterlesen!
Bitte stell Dich kurz vor:
Guten Tag, mein Name ist Tinee Häcker, geborene Kleinschroth. Geboren und aufgewachsen bin ich in Würzburg im schönen Frankenland. Seit Abschluss meines Kunststudiums 2001 lebe und arbeite ich als freischaffende Künstlerin in Stuttgart. 2007 habe ich das Label SiebenMorgen gegründet und biete seither Original Druckgrafiken, Collagen, handbedruckte Papierwaren und Souvenirs aus meiner Druckwerkstatt an. Zur Zeit ist die Druckwerkstatt jedoch etwas geschrumpft, da neben zwei Katzen und Herrn Häcker auch noch meine kleine Tochter darin Platz finden musste.
Wie hast Du Deine kreative Ader entdeckt?
Oh, ich glaube, die war schon immer da. Ein einschneidendes Erlebnis war auf jeden Fall mein erstes Schnitzmesser, das ich mit 3 oder 4 Jahren von meinem Grossvater bekommen habe. Eigentlich war es nur ein altes, stumpfes Küchenmesser, ich habe es heute noch. Mein Großvater war Schriftsetzer, er roch immer so gut nach Druckerschwärze, wenn er von der Arbeit kam. Das hat sich wohl eingeprägt… Und zuvor meine ersten Neonmarker, mit denen Oma’s Küchenboden voller Hingabe verziert wurde.
Woher beziehst Du Deine Inspiration?
Von überall her! Mal sind es die Geschichten der Freunde, die Familie, Filme, Musik, Bücher, ein alter Farbanstrich, das Muster einer Kaffeekanne, ein schönes Stück Stoff oder Holz, mein blühender Garten, die Vögel darin. Ich höre, sehe, lese etwas und schwupps, taucht in irgendeinem verstaubtem Hinterstübchen meines Kopfes ein Bild dazu auf. Auch von neuen Arbeitsmaterialien, feinem Papier und leuchtenden Farben lasse ich mich gern inspirieren. Ich bin viel gereist in den letzten Jahren und vor allem verschiedene Reisen nach Ostasien waren ein sehr starker Einfluss für meine Arbeit.
Hast Du Vorbilder im Bereich Design? Falls ja, wen und warum?
Im Designbereich kenne ich mich nicht so gut aus, aber mein derzeitiger Lieblingsmaler ist der alte Niederländer Frans Hals, seine Porträts sind einfach großartig. Und ich möchte gern einmal so meisterhafte Holzschnitte machen können wie die japanischen Großmeister Hokusai oder Hiroshige. Man kann sich einfach nicht dran satt sehen.
Mit welchen Materialien arbeitest Du bei der Herstellung Deiner Produkte?
Papier. Papier, nochmal Papier. In allen Varianten. Dazu kommen Linoleum, Stempelgummi, Ölfarben, Tinten und vor allem solide Schnitz- und Schneidemesser.
Wie kamst Du auf die Idee für die Produkte in Deinem DaWanda-Shop?
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Druckgrafik. Mir gefällt die Idee der Vervielfältigung, da ich mich oft nur schwer von meinen Einzelstücken trennen kann. Die Druckgrafik ist eine sehr demokratische Kunstform, sie erlaubt vielen Kunstliebhabern und Sammlern ein echtes Original zu erstehen und zu besitzen, ohne sich gleich finanziell zu verausgaben.
Ich mag vor allem, wie die Farbe bei einem handabgezogenen Druck auf dem Papier sitzt, ich mag die Spuren, die die Handfertigung im Blatt hinterlässt. Jeder handabgezogene Linoldruck ist ein Original, jedes Blatt hat seine eigene Geschichte und seine eigene Zeit.
Die ersten Kleingrafiken, Postkarten, Notizbücher und Souvenirs habe ich vor Jahren für den Kunstweihnachtsmarkt auf meinem ehemaligen Ateliergelände hergestellt. Von schönen Papiersachen kann ich selbst nie genug kriegen! Im Prinzip produziere ich immer wieder Bilder oder Dinge, die ich selbst gerne sehen oder benutzen würde, wie zum Beispiel meine Notiz- und Skizzenbücher. Das Leben ist viel zu kurz, um sich den Alltag nicht mit schönen Dingen zu versüssen.
Beschreibe bitte kurz Deinen kreativen Arbeitsprozess:
Meine Druckvorlagen entstehen nach eigenen Zeichnungen oder Fotos. Zuerst mache ich einen Entwurf und überlege, in welchem Format und in wievielen Schichten gedruckt werden soll bzw. für was ich das Motiv verwendet werden möchte. Der Entwurf wird dann von Hand auf die Druckplatten oder auf das Stempelgummi übertragen. Manchmal zeichne ich auch direkt auf die Platten. Anschliessend wird mit möglichst ruhiger Hand fein säuberlich geschnitten und geschnitzt. Dies kann je nach Motiv- bzw. Druckgröße eine Stunde, aber auch gut und gerne mal drei Monate dauern. Dann probiere ich verschiedene Papiere und Farben aus, bis ich die perfekte Kombination gefunden habe. Anschliessend werden die Farben gemischt, gewalzt und Schicht für Schicht von Hand gedruckt. Beim Stempeldruck verwende ich meistens fertige, hochpigmentierte Stempelkissen.
Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?
Sie alle tragen meine Handschrift. Nur wo SiebenMorgen drauf steht, ist auch SiebenMorgen drin! Ich achte sehr auf Details und ein stimmiges Gesamtbild und verwende sehr viel Zeit auf die Materialauswahl. Alles wird sorgfältig verarbeitet und genauso sorgfältig werden meine Produkte auch verpackt und präsentiert. Sie sind farbenfroh, verspielt und zaubern gerne ein Lächeln auf’s Gesicht. Alle Drucke und Papierwaren entstehen in handgefertigten Kleinstauflagen.
Wer sind denn die typischen „SiebenMorgen“-Kunden?
Hauptsächlich junge Damen, große Mädchen und gestandene Frauen. Der eine oder andere Herr von Welt und Kunstliebhaber befindet sich aber auch darunter. Alle eint der Sinn für Schönes und die Liebe zu besonderen Dingen. Ich bin sehr sehr stolz darauf, einen so treuen und aufmerksamen Kundenstamm zu haben. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön!
Wie siehst Du Deine Zukunft als Designerin?
Wenn alles weiter so gut läuft freue mich sehr auf all die neuen Aufträge, Projekte und Ausstellungen, die da noch kommen werden. Am meisten freue ich mich aber darauf, bald wieder in eine große Druckwerkstatt ziehen zu können, auch wenn der Umbau noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Dann kann ich auch wieder größere Aufträge annehmen, mehr produzieren und meine Produkte noch weiter streuen.
Welche Rolle spielt DaWanda für Deine kreative Tätigkeit?
DaWanda motiviert mich, immer am Ball zu bleiben, neue Dinge auszuprobieren und die Produktion und den Shop stets am Laufen zu halten. Ich geniesse es sehr, großzügig in Material und Arbeit investieren zu können.
Was hat sich für Dich verändert, seit Du Deinen DaWanda-Shop eröffnet hast?
Mein Kundenkreis hat sich enorm erweitert. Zuvor habe ich meine Arbeiten hauptsächlich regional bzw. bei Ausstellungen und Kunstmärkten verkauft. Jetzt verbringe ich fast täglich Zeit damit, Bestellungen zu verpacken und zu verschicken. Schöne Post zu bekommen ist herrlich und ich darf jeden Tag Glückspost versenden, ein Heidenspass!
Deine drei Lieblingsshops auf DaWanda?
Was nur vier?! Ohje..
- borsellina
- blinkblink (zur Zeit geschlossen)
- margamarina
- und natürlich die happyhäckers, mein neuestes Nebenprojekt!
Dein Schlusswort:
“Be an artist – a glamour occupation” (R. Crumb)
Danke, DaWanda! Und natürlich auch heute alles, alles Gute.. ;)
P.S.: Wenn Du auch im Montagsinterview vorgestellt werden möchtest, sende bitte Deinen ausgefüllten Fragebogen an interview@dawanda.com.
Knuschels (16.03.10 09:37 Uhr)
Viele Grüße von Janine und den Knuschels!
Es war sehr erbaulich von deinem kreativen
Schaffensprozess zu lesen.
Deine Drucke erfreuen mein Herz jeden Tag wenn ich durch den Flur wandle.
Danke nochmal für den Tipp neulich. Hat mir echt geholfen.
Janine
LoRe!Lai (16.03.10 13:08 Uhr)
Auch in meinem Flur hängen 2 deiner wunderschönen Drucke udn erfreuen mich jeden Tag! Ganz besonders schöne Sachen machst du.
Liebe Grüße,
Barbara
Sonja (26.06.10 09:02 Uhr)
Hallo, ich liebe deine aussagekräftigen Bilder, die unser ganzes Haus in ein wunderbares “Gefühl” verwandeln. Vielen Dank für diesen Genuß!
Sonja aus Österreich