Im Interview: tanzdrauf
- Posted by anna on November 9th, 2009 filed in Interviews

Wie aus einem Laster eine Passion wurde, erzählt Euch Julia Küpper von tanzdrauf im heutigen Interview. Julia liebt es bunt, schrill und arbeitet mit Vorliebe mit LKW-Plane. Frei übersetzt heißt LKW übrigens: Leipziger Kommunikationsstudentin werkelt. Mit viel Energie und Kreativität entstehen aus dem bekannten Werkstoff Tabaktaschen, Portemonnaies und Kamerataschen mit Charme. Auf ein Tänzchen mit Julia Küpper:
Bitte stell Dich kurz vor:
Ich heiße Julia und bin seit über vier Jahren Studentin an der Uni Leipzig. Man kann beinahe vermuten, ich studiere nur nebenbei, denn ich verbringe wohl mehr Zeit an der Nähmaschine als in der Bibliothek. Dies führt zwar oft genug zu einem schlechten Gewissen, jedoch brauche ich einfach den kreativen Ausgleich, um mich nun gegen Ende meines Studienlebens bei Laune zu halten.
Wie hast Du Deine kreative Ader entdeckt?
Angefangen hat alles mit meinem Laster: Ich rauche! Um Tabak, Blättchen und Filter endlich einmal beisammen zu haben, habe ich mir eine Tabaktasche aus Plane genäht – mit der Hand!!
Freunden hat das gefallen, deren Freunden auch, und schon bald hatten viele in meinem Umkreis eine von mir handgenähte Tabaktasche. Bald schon schaffte ich mir endlich eine Nähmaschine an, konnte somit schneller und effizienter arbeiten und meine strapazierten Fingerspitzen schonen.
Immer mehr Nichtraucher beschwerten sich, dass für sie nichts im Angebot sei, und somit erweiterte ich mein Sortiment nach und nach, und nun kann man neben Tabaktaschen auch Portemonnaies, Kamera- und Handytaschen bei mir erwerben.
Woher beziehst Du Deine Inspiration?
Ich liebe es laut und bunt, wild und schrill. Außergewöhnlich muss es sein, aber ich bin auch Ästhet und lege sehr viel Wert auf Kleinigkeiten. Ständig entdecke ich neue, aufregende Farbkombinationen in meinem Alltag, die dann gleich umgesetzt werden müssen. Ich gehe auf Märkte, stöbere im Internet oder lasse mich auf Festivals von tausenden Eindrücken überfluten.
Ich denke, die Reizüberflutung ist Teil meines Lebens, und die Kunst ist es, daraus dann kleine Partikel auszuwählen und auf eine Art zusammenzufügen, die sich richtig anfühlt.
Hast Du Vorbilder im Bereich Design? Wenn ja, wen und warum?
Vorbilder an sich weniger - ich lasse mich eher von der Mode und den Trends einiger Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts inspirieren. Ganz normale Menschen mit Mut zum Anderssein und verrücktem Auftreten haben unsere Welt so bunt gemacht, wie ich sie mit meinen Produkten gern wiedergeben möchte.
Mit welchen Materialien arbeitest Du bei der Herstellung Deiner Produkte?
Hauptsächlich arbeite ich mit LKW-Plane, sie ist immer Bestandteil meiner Produkte. Hinzu kommen natürlich nützliche Helfer wie Klettband oder Reißverschlüsse. Zusätzlich liebe ich Wachstuch in allen Farben und mit allen möglichen Mustern, am Liebsten verspielt und kitschig. Ab und zu verwende ich auch andere Materialien wie Knöpfe, Fahrradschläuche oder schlicht und einfach verschiedene Stoffe.
Beschreibe bitte kurz Deinen kreativen Arbeitsprozess:
Mein Arbeitsprozess teilt sich generell in zwei Phasen: eine nicht-kreative und eine kreative.
In der nicht-kreativen Phase schneide ich nur zu. Ich sitze vor dem Fernseher oder lausche einem Hörspiel und fertige Zuschnitte in allen Farben an. Dabei reifen in mir bereits Ideen, welche Farben gut zusammenpassen oder welches Wachstuch man verwenden könnte.
Danach wird genäht. Oft stundenlang am Stück, bis alle Zuschnitte verbraucht sind und ich meiner ganzen Kreativität Luft gemacht habe. Das Fotografieren und Einstellen der Artikel ist dann oft eine Art Nachbetrachtung, und auch da kommen mir meist weitere Ideen für zukünftige Produkte.
Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?
Schwer zu sagen. Vielleicht laut. Oder fantasievoll. Oder schrill. Manchmal auch schlicht und minimalistisch. Kitschig und bunt. Vor allem aber gut gelaunt. Am Besten, ihr schaut selbst…
Wer sind denn die typischen „tanzdrauf“-Kunden?
Meine KundInnen sind Individualisten. Sie lieben es, aus der Masse hervorzustechen und mit Unikaten ihre Außergewöhnlichkeit nach Außen zu tragen.
Wie siehst Du Deine Zukunft als Designerin?
Das ist die schwierigste Frage. Das Ende meines Studiums liegt in absehbarer Nähe und die Zeit danach ist derzeit noch ein großes schwarzes Loch. Da ich nicht in Richtung Design studiere, bin ich mir nicht sicher, inwieweit sich meine kreative Arbeit danach noch fortsetzen lässt.
Ich lasse mich einfach überraschen, was das Leben so für mich bereithält!
Welche Rolle spielt DaWanda für Deine kreative Tätigkeit?
DaWanda treibt mich an und kitzelt meinen Ehrgeiz. Ich fühle mich ausgesprochen wohl in der Community, lese viel im Forum und klicke mich durch den Blog. Mit „Gleichgesinnten“ zu kommunizieren, Fragen zu stellen und zu beantworten und von einer Flut an Kreativität überrollt zu werden, ist ein wunderbares Umfeld.
Was hat sich mit Deinem DaWanda-Shop für Dich verändert?
Ich denke, ich bin vor allem selbstsicherer geworden. Das unmittelbare Feedback durch Herzen, Kommentare und natürlich Käufe gibt mir die Bestätigung, dass meine Produkte viele Menschen ansprechen.
Deine drei Lieblingsshops auf DaWanda?
Schall-la-Platta
pension
stinke
Dein Schlusswort:
Tanzt drauf!!
P.S.: Wenn Du auch im Montagsinterview vorgestellt werden möchtest, sende bitte Deinen ausgefüllten Fragebogen an interview@dawanda.com.
















November 11th, 2009 at 20:19
Hallo Julia,
mit Interesse habe ich Deinen Artikel gelesen, Deine “Tanzdrauf” Produkte sind mir natürlich nicht unbekannt.
In Deinem Interview habe ich mich in der Passage “Woher beziehst Du Deine Inspiration?”
auch ein wenig wiedergefunden, obwohl ich ja etwas gaaaaaaaaaanz anderes mache.
Aber in der Vielfalt der Farben, Materialien, Ideen, Eindrücke etc. finde man immer wieder neue Anregungen um weiterzumachen. So bleibt es eine “Never ending story”.
Ich wünsche Dir weiterhin viele Farben, Ideen und Material.
Liebe Grüße
Melanie